From Corona

Voll die Seuche

Erinnerung an eine letzte Fahrt mit dem Motorrad. Eine letzte Fahrt, bevor sich die Schweiz veränderte. Erinnerungen an den Frühling 2020. Einen Frühling, den ich grösstenteils im Haus verbrachte. Erinnerungen an meine erste Motorradrunde nach dem Lockdown. Eine kleine Tour in einer Schweiz in der nun vieles anders ist. Die dunkelhäutige Schönheit an der Tankstellenkasse hat das Potenzial Sehnsüchte zu wecken. Aber leider bin ich ein alter Sack. Und mit Mitte Zwanzig ist die Dame viel zu jung für mich. Bei dem dynamischen Kerl, der gross und breit vor mir steht, liegt die Sache anders. Er dürfte sich in ihrer…

Der Spuk

Wie gut macht sich eine Royal Enfield Classic als Fahrzeug für Ghostbuster? Und ist der motorradfahrende Schriftsteller Gerd de Bruyn ein brauchbarer Exorzist? Mein Herz rast. Kalter Schweiß steht mir auf der Stirn. Und das Grauen nimmt mehr und mehr Besitz von mir. Angefangen hat es mit einem Trippeln und Klopfen. Nicht laut, aber in diesem alten Haus deutlich vernehmbar. Beharrlich arbeitet es sich durch Mauerwerk und Balken. Erst erreicht es mein Unterbewusstsein. Und dann wird es zu einer Wahrnehmung. Eine Wahrnehmung, die meine Aufmerksamkeit mehr und mehr bindet. Ich liege im Bett und starre in die Dunkelheit. Eben noch…

Rorschacher Tristesse

Von den Virenschleudern am Frühstücksbüffet und über Senioren die einen lustigen Euthanasie-Tripp unternehmen. Gedanken zur Frage, ob Fotografen verhaltensgestörte Sozialphobiker sind und eine kleine Selbstreflexion genau zu diesem Thema. Von einem Ort der Trostlosigkeit und einem Milliardär, der mit seiner Kunstsammlung der Tristesse entgegenwirkt. Und von der allgegenwärtigen Pandemie, die mich daran hindert diese Kunstsammlung anzusehen. Wir sind in dem altehrwürdigen Schloss Wartensee einquartiert. Hoch über dem Bodensee erhebt sich das massive Gemäuer und Wolkenfetzen tanzen über einen schaurig schönen Mond. Das Zimmer, in dem wir die Nacht verbringen wirkt aber so gar nicht nach Schloss. Eher nach einem italienischen…

Wir lagen vor Madagaskar

Wir lagen vor Madagaskar und hatten Corona an Bord – aber das Hotel war gut. Von einem Ausflug auf einem Seuchendampfer und von einem Seminarhotel, in dem Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen für gehobene Gastlichkeit sorgen. Dass ich eine Schraube locker habe wird meine Gattin jederzeit bestätigen können. Und ich bin froh, dass sie trotzdem Zeit mit mir verbringen will. Es ist doch etwas Schönes, wenn man mit seinen kognitiven und emotionalen Defiziten Akzeptanz in der Ehe findet. Froh bin ich auch, dass sich meine psychische Konstitution ausserhalb der Ehe in einem adäquaten Rahmen bewegt. Somit kann ich einer sinnvollen Arbeit…