Der Spuk

Wie gut macht sich eine Royal Enfield Classic als Fahrzeug für Ghostbuster? Und ist der motorradfahrende Schriftsteller Gerd de Bruyn ein brauchbarer Exorzist?

Mein Herz rast. Kalter Schweiß steht mir auf der Stirn. Und das Grauen nimmt mehr und mehr Besitz von mir.

Angefangen hat es mit einem Trippeln und Klopfen. Nicht laut, aber in diesem alten Haus deutlich vernehmbar.

Beharrlich arbeitet es sich durch Mauerwerk und Balken. Erst erreicht es mein Unterbewusstsein. Und dann wird es zu einer Wahrnehmung. Eine Wahrnehmung, die meine Aufmerksamkeit mehr und mehr bindet.

Ich liege im Bett und starre in die Dunkelheit. Eben noch schlaftrunken bin ich jetzt hellwach.

Was sind das für Geräusche? Hat sich Nachbars Katze reingeschlichen oder leben in den Wänden Mäuse? Wie zur Antwort knarzt das schwere Gebälk.

Jetzt in der kalten Jahreszeit wird das historische Gemäuer lebendig. Seit dem 17. Jahrhundert steht das ehemalige Bauernhaus und trotzt allen Witterungen. Hier und da treiben Würmer im Gebälk ihr Unwesen. Statische und thermische Prozesse zerren geräuschvoll an Holz und Stein. Manchmal wirkt das Gebäude wie ein eigener Organismus.

Doch das Trippeln und Klopfen ist etwas anderes. Gähnend stehe ich auf um das Haus zu durchsuchen. Eine Katze, die mir auf den Teppich scheisst, ist das Letzte, was ich gebrauchen kann. Etage für Etage durchkämme ich die Räume und finde nichts. Ich bin alleine. Fenster und Türen sind fest verschlossen.

Das Geräusch ist verschwunden. Nur das Ticken der alten Wanduhr ist zu vernehmen.

Ich gehe wieder ins Bett und versuche einzuschlafen. Doch kaum habe ich die Augen geschlossen sind die Geräusche wieder da. Erst trippelt und klopft es. Und dann höre ich Schritte: Ein schwerfälliges Auftreten auf knarrenden Holzstufen. Es sind Schritte, die sich langsam die steile Treppe hinaufbewegen. Hinauf zu meinem Schlafzimmer.

Ich spüre ein Unbehagen. Aber wieso? Ein Einbrecher kann es ja nicht sein. Ich war gerade eben in den Räumen und habe alles überprüft.

Die Kirchenglocken schlagen. Laut und mächtig verkünden sie, dass es Mitternacht ist. Mein Blick wandert durch die Finsternis des Raumes und verharrt im Zwielicht des Fensters. Mich am Bauch kratzend stehe ich auf und schaue nach draussen.

Vom Friedhof kriecht dichter Nebel heran. Gelblich leuchten Scheinwerfer in die Nacht. Die Lichtkegel versuchen den Kirchturm zu erhellen. Aber nur mit Mühe durchdringen sie die Dunstschwaden. Ich blicke nach oben. Dort, an den Regenrinnen des Spitzdaches befinden sich romanische Wasserspeier. Sie wirken wie Monstren, die vom Licht in die Dunkelheit streben. Darüber ein grosses Zifferblatt. Die Zeiger weisen gen Himmel.

Nun ist die Stunde der Gespenster angebrochen. Eine Zeit, der im Volksglauben eine unheimliche Bedeutung zu kommt. Jetzt werden die Toten lebendig und die Hexen treiben ihr Unwesen. Es beginnt ein Spuk, von dem man glaubt, dass er gefährlich sei. Ein Spuk, der von Unglück und dem nahen Tod kündet. Gerade in dieser Jahreszeit. Der Zeit der Raunächte.

In wenigen Tagen beginnt die wilde Jagd. Dann ziehen die Toten in unheimlichen Prozessionen über Felder, Wälder und Berggrade. Häuser und Gehöfte, die auf diesen Routen liegen, öffnen Türen und Fenster, damit der Zug ungehindert passieren kann. Denn werden die Geister aufgehalten, droht grosses Unheil. Passiert die wilde Jagd, verbarrikadierten sich die Anwohner in ihren Schlafräumen. Dort warten sie bis der Spuk vorbei ist. Wehe dem, der den Zug stört oder ihm auch nur zusieht. Diesen Menschen widerfährt furchtbares Unglück. Sie werden von schlimmer Krankheit heimgesucht. Ja, manche sind sogar dem Tod geweiht.

Ich lebe in der Schweiz, einem Ort der Aufklärung. Ein Staat, in dem Supercomputer surren. Hier im Mittelland gibt es viele urbane Gegenden. Siedlungsgebiete in denen Hochhäuser die Stadtbilder dominieren. Mobiltelefone und Hightech sind allgegenwärtig. Und trotzdem existiert der Schweizer Volksglaube weiter. Vor allem in ländlichen Gegenden und in den Bergen.

Aber ich bin nicht auf dem Land und auch nicht in den Bergen. Ich lebe in einer modernen Stadt. Einem Ort der wissenschaftlich fundierten Lehre. Dominiert von Fachhochschulen und Berufsschulzentren. Ein Ort, wo nur das Platz hat, was sich der Mensch zwischen Himmel und Erde erklären kann.

Warum spuken gerade hier Schritte durch das Haus? Warum hört es sich so an, als würde ein Geist für die wilde Jagd trainieren?

Genervt öffne ich die Schlafzimmertüre und schaue in den Flur. Schließlich ist das mein Wohnraum und kein Fitnesscenter für Gespenster. Ich stehe an der Treppe und lausche in die Dunkelheit. Doch kaum habe ich die Türe geöffnet herrscht eine beunruhigende Stille. Vor allem vermisse ich das vertraute Ticken der alten Wanduhr.

Über dem Treppenabgang hängt die alte Walliser Maske. Sie blickt mich an und der Schrecken steht ihr ins Gesicht gemeisselt. Aber das hat nichts zu sagen. Die Maske sieht immer so aus. Also gehe ich nach unten und bemerke, dass die Wanduhr stehen geblieben ist. Um fünf vor zwölf – wie sinnbildlich.

Meine Hand tastet zum Lichtschalter. Ich drücke darauf und der Schreck fährt mir in die Glieder. Das Licht flackert. Wild und lange geht es an und aus, immer wieder an und aus. Gebannt starre ich auf die Glühbirne. In einem Gruselfilm hätte man einen solchen Effekt nicht besser inszenieren können.

Ich verstehe das mit dem Flackern nicht. Die Elektrik im Haus ist gut. Die Birne hatte ich vor einem Monat gewechselt. So etwas habe ich hier noch nie erlebt. Genauso wie die Geräusche. Und die alte Uhr habe ich doch vorgestern aufgezogen. Sie bleibt nicht einfach so stehen. Sie ist noch nie einfach so stehen geblieben. Ich spüre wie eine irrationale Furcht in mir aufsteigt.

Das Flackern hat aufgehört und das Deckenlicht sorgt für eine beruhigend gleichmässige Helligkeit. Ich verdränge die Furcht und öffne die Tür zu meiner Bibliothek. Auch dort betätigte ich den Lichtschalter und bin froh, dass die Glühbirne keine Kapriolen macht. Meine Bücher stehen in den Regalen oder stapeln sich auf dem Tisch. Die ausgestopften Vögel schmücken leblos den Raum und in den Vitrinen verstaubt das, was ich in all den Jahren an Krempel gesammelt habe. Es ist nichts von monetärem Wert. Erinnerungen oder irgendein Zeug, das ich interessant oder schön fand.

Unter dem Fenster steht meine alte Enfield Bullet. Sie wirkt in dem Raum merkwürdig deplatziert. Ein Motorrad in seiner Stube zu haben mag exzentrisch sein. Aber in einem Motorradsattel kommen mir nun einmal gute Ideen. Und dieser Raum ist ein Ort, in den ich mich gerne zum Denken zurückziehe.

Ich lasse das Licht brennen und gehe in die anderen Räume. Drei Etagen hat das Haus und überall herrscht Stille und Dunkelheit. Ich bin alleine.

Also steige ich die Treppe wieder rauf. Es ist Zeit endlich zu schlafen. Aber anstatt zum Schlafzimmer schlurfe ich zur Bibliothek. Dort setze ich mich in meinen Enfield-Sattel, umgreife die Griffe am Lenker und schliesse die Augen. Für einen Moment träume ich mich auf die Landstrasse. Zurück in die schöne Türkei und zu den Bergen des Iran. Berge, die im Morgenlicht türkis schimmern. Meine Gedanken fliegen zu den Pisten Pakistans und zu den beeindruckenden Wüsten dieses Landes. Bis nach Indien hin, führen mich meine Erinnerungen. Indien, das Land in dem ich einst das Motorrad gekauft hatte, um zu dieser grossen Reise aufzubrechen.

Tränen laufen mir über die Wangen und ich spüre Verzweiflung. Ich würde so gerne wieder reisen. Aber eine Pandemie hält die Welt in Atem. Und es ist fraglich, ob wir Menschen uns je wieder frei bewegen können.

Der Virus COVID 19 setzt uns ordentlich zu. Eine zweite Infektionswelle rollt über das Land und gefährliche Keimmutationen machen sich breit. Meine Frau und mein Sohn befinden sich in Quarantäne. Ich darf nicht zu ihnen und das schlimmste ist, dass Weihnachten vor der Türe steht. Zum ersten Mal werde ich Weihnachten alleine sein. Ohne die Menschen die mir wichtig sind. Weihnachten – das bedeutendste Fest im Jahr!

Auch meine beste Freundin ist abgereist. Mit ihr lebe ich in diesem Haus. Und jetzt ohne sie und ohne meine Familie spüre ich eine tiefe Einsamkeit.

Mein Blick wandert zu dem Büchertisch. Unter einem dicken Stapel mit Motorrad-Literatur entdecke ich einen schwarzen Umschlag.

Dort liegt Gerd de Bruyns Rocker-Märchen und ich bin froh, dass mich diese Entdeckung von meinen trüben Gedanken ablenkt. Ich hatte das Buch im Frühjahr gelesen und wollte eine Rezension dazu schreiben. Dann habe ich es aber gelassen. Was kann ich schon zu so einem Werk sagen. Das ist nicht irgendein Motorradbuch. Das ist richtige Literatur. Ein guter Roman, der von Anfang bis zum Schluss fesselt. Aber von guter Literatur verstehe ich nun einmal nichts. Ich lese sie nur. Das ist wie mit dem Wein. Davon verstehe ich auch nichts. Aber ich weiss ob mir ein Tropfen schmeckt oder nicht. Und nicht mehr und nicht weniger weiss ich über gute Bücher. Trotzdem schnappe ich mir den Roman und trotte in mein Schlafzimmer. Ich sollte ihn nochmals lesen und versuchen die Sprache und die Erzähl-Struktur zu analysieren. Vielleicht kommen mir ja ein paar vernünftige Gedanken dabei. Immerhin haben sich der Blogger Gypsi Chimp und der grosse Zonko dazu geäussert. Gypsi Chimp ist jetzt nicht die Reinkarnation von Marcel Reich-Ranicki, aber im Gegensatz zu mir hat er einen klugen Kopf. Immerhin konnte er Gerd de Bruyns Buch als Entwicklungsroman verorten. Seine Einschätzungen sind insgesamt stimmig. Der Beitrag von ihm ist wirklich lesenswert. Und Zonko? Der macht auf mich auch nicht den Eindruck des versierten Literaturkritikers. Aber das ist bei Zonko egal. Der könnte ebensogut einen Vortrag über die hereditäre Myopathie des syrischen Goldhamsters halten und es wäre trotzdem amüsant. Zonkos YouTube-Rezension ist unbedingt sehenswert. Und von seinem intellektuellen Understatement darf man sich auf keinen Fall blenden lassen.

In meinem Schlafzimmer mag ich nicht ins Bett gehen. Stattdessen setzte ich mich in den alten Schaukelstuhl meiner Großmutter. Gerd de Bruyns Buch lege ich auf das kleine Beistelltischchen.

Vor mir in einer dunkeln Nische steht das Wörterbuch des deutschen Aberglaubens. Eine Enzyklopädie in zehn abgegriffenen Leinenbänden. Ich blättere gerne in ihnen, denn das was die Menschen glauben interessiert mich. Vor allem das Irrationale und das was sie fürchten. Während ich die Goldprägung auf den Buchrücken fokussiere, höre ich es wieder:  Das Knarren der Treppe. Die schweren Schritte auf den Stufen. Es ist, als würde jemand zu mir hochlaufen aber nie ankommen. Manchmal höre ich ein Verschnaufen, einen tiefen Seufzer und dann wieder Schritt für Schritt.

Ich spüre Angst. Ein Grauen, dass mich befällt. Meine Schläfen pochen und kalter Schweiss tritt mir auf die Stirn. Die Atmung beschleunigt sich und ich beginne mir ernsthaft Sorgen zu machen. Nicht wegen der Schritte da draussen. Ich bin mir sicher, dass da niemand ist. Wenn ich nachschauen würde, wäre es wieder still. Ich mache mir Sorgen, weil ich gerade auf dem besten Weg bin eine ausgewachsene Angststörung zu entwickeln. Es ist die Nacht vor der mir graut. Nyktophobie nennen das die Mediziner. Und die Angst vor dem Alleinsein plagt mich. Man spricht hier von einer Autophobie. Beides sind spezifische Phobien und die Behandlung sollte von der Krankenkasse übernommen werden. Der Gedanke beruhigt mich ein wenig und mein Herz schlägt wieder langsamer. Dafür machen die Geister um so mehr Radau.

Das ist ein altes Haus, in dem schon viele Menschen gelebt haben. Wer weiss welche Kräfte da wirken. Aber als vernünftiger Mensch sollte man in erster Linie an physikalische Kräfte denken. In der Regel hat man ja jeden Spuk erklären können. Sei es mit den Mitteln der Physik, der Chemie, der Psychologie oder der Neurologie. Meist ist es aber eine Kombination von Ursachen und die Erklärung dieser Phänomene erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen.

In der Schweiz gibt es allerdings das ein oder andere Phänomen, das sich nicht erklären lässt. Und auch ausserhalb des Landes geistern ein paar Spukgeschichten herum, die den Fachleuten Kopfzerbrechen bereiten. Im benachbarten Baden-Württemberg gibt es zwei renommierte Institute, die sich seriös-wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzen. Da ist zum einen das Institut für die Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP). Es handelt sich um eine Institution, die spukgeplagten Menschen hilft. Den Mitarbeitenden fällt dort auf, dass die Ratsuchenden oft mit einer Lebenssituation konfrontiert sind, die mit Isolation zu tun hat. Das ist ja auch bei mir der Fall.

Zum anderen gibt es die Beratungsstelle der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie. Hier wertet man Spuk als anthropologische Konstante von der seit je her berichtet wird. Dabei geht man davon aus, dass es sich um eine Externalisierung von psychologischen Prozessen handelt. Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass meine wirren Gedanken, die Treppen und rauf und runter stolpern. Und das machen sie, weil ich ihnen nicht die Möglichkeit gebe, in meinem Kopf herum zu irren. Ich bin, um es mit den Worten meiner Frau zu sagen, ein Meister des Verdrängens. Die Theorie, das psychische Probleme sich ausserhalb des Körpers Gehör verschaffen, stammt von dem Physiker und Psychologen Walter von Lucadou. Der Wissenschaftler spricht hier von einer sogenannten Verschränkung zwischen dem Holz der Treppe und den Neuronen in meinem Hirn. Also irgendwie muss es da eine Verbindung geben. Und weil er keine physikalischen oder quantenmechanischen Zusammenhänge herausfinden kann, sagte er, dass man Physik und Quantenmechanik einfach aus der Theorie rausstreicht. Als Wissenschaftler muss man damit leben, dass wir noch keine Erklärung für die Verschränkungen haben und wir sie nur empirisch vermuten können. Die Physikerkollegen des Herrn von Lucadou finden diese Theorie jetzt nicht so prickelnd. Und ich kann sie gut verstehen.

Insgesamt ist das eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung, dass mein Unterbewusstsein unkontrolliert im Haus randaliert. Auf der anderen Seite ist die Idee, dass dort der Geist eines Verstorbenen herumspukt noch abgefahrener. Beides sind halt Konstruktionen, um etwas einzuordnen, was wir nicht einordnen können. Vom wissenschaftlichen Standpunkt ist die Idee des Herrn von Lucadou schon more sexy als ein Untoter. Aber letztendlich kann mir das egal sein.

Bedeutsamer als die Frage, was denn da auf der Treppe spukt, ist die Tatsache, dass es mir Angst macht. Da eine Angststörung die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt, ist hier eine sofortige Auseinandersetzung von Nöten.

Zunächst einmal mit der Angst an sich. Angst ist etwas Nützliches, dass uns vor Gefahr warnt. Die Vorfahren von uns, die zu wenig davon hatten, wurden in der Regel aufgefressen. Und die Urmenschen, die zu viel Angst zeigten sind verhungert. Ein gesundes Mass an Angst ist also von Vorteil – seit je her.

Spüren wir Angst müssen wir als erstes klären, ob die Angst berechtigt ist. Sollte draussen auf der Treppe ein psychopathischer Einbrecher sein Unwesen treiben, wäre meine Angst durchaus angebracht. Denn ein solcher Mensch könnte mir schaden. Vielleicht würde er mich sogar umbringen. Und mit dem Gedanken bin ich bei dem eigentlichen Grund für alle Ängste: Der Angst vor dem Tod, auch Thanatophobie genannt.

Bei einem Spuk ist Angst eher nicht sinnvoll. Und dabei ist es egal ob der Spuk auf Einbildung oder Fehleinschätzung beruht. Oder ob es sich um ein echtes parapsychologisches Phänomen handelt – mit welcher Erklärung auch immer.

Klar sagt man im Volksglauben dem Spuk eine schädliche Wirkung nach. Aber das sind dann doch eher ungesicherte Angaben.  

Die Angst, die mich hier befällt, ist also unnütz und stört vor allem meine Nachtruhe. Diese Erkenntnis hilft mir schon mal, dass sich das Angstgefühl nicht zu einer ausgewachsenen Panik ausweitet.

Nun ist es gut, wenn ich mir vergegenwärtige, welche Dispositionen diese Angst befördern. Aktuell ist es die große Einsamkeit und das Getrennt sein von meiner Familie. Ja, dass getrennt sein von allen anderen Menschen. Seit den letzten Monaten meide ich den Kontakt mit jeder und jedem. In der Pandemie ist es die Angst vor Ansteckung, auch Mysophobie genannt. Wobei Mysophobie eine krankhafte Angst bezeichnet. Und ob meine Angst krankhaft oder berechtigt ist, könnte eine Frage des Standpunktes sein.

Dann ist da noch die Angst vor der Zukunft, denn ich befürchte, dass man diesen Keim nicht so schnell in den Griff bekommen wird. Ich befürchte, dass es Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte dauern wird, bis man diese Geisel der Menschheit besiegt hat. Ähnlich wie bei der Pest im Mittelalter.

Dafür leide ich nicht an Vaccinophobie, der Angst vor Impfungen. Meine ganze Hoffnung liegt auf einem wirksamen Impfstoff. Und mit dem Gedanken daran, kann ich meine Zukunftsängste mässigen. Die Entwicklungen, die mir wirklich Angst machen sollten, verdränge ich hingegen erfolgreich. Zum Beispiel den Klimawandel, die Umweltverschmutzung und all die maroden Kernkraftwerke in der Umgebung.

Die Gefahren für unsere Demokratien, sind auch nicht ohne. Bewegungen am rechten Rand, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und krude Verschwörungstheorien rütteln an den Grundfesten unserer Gesellschaftssysteme. Dazu kommt ein massloser Kapitalismus, der nicht zu bändigen ist. Und auch das verdränge ich. Bei den vielen materiellen Segnungen, mit denen uns der Kapitalismus ruhigstellt, fällt mir das Verdrängen nicht allzu schwer.

Nach dieser Bestandsaufnahme der aktuellen Situation, sollte ich einen Blick auf meine Veranlagung machen. Mein Bruder bestätigte mir einmal, dass ich als Kind besonders ängstlich war. Also scheint es da eine angeborene Disposition zu geben. Vielleicht ein Ungleichgewicht der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und Gamma-Aminobuttersäure. Aber davon verstehe ich nicht viel. Ich kann diese Begriffe ja kaum fehlerfrei schreiben, geschweige denn angemessen erklären.

Also befasse ich mich besser mit den psychosozialen Faktoren. Denn Phobien sind in der Regel erlernt. Begünstigend sind Eltern mit einem kontrollierendem und wenig feinfühlendem Verhalten. Ja, und mit diesen beiden Begriffen ist der Erziehungsstil meiner Erzeuger prägnant beschrieben.

Zu dem kam es immer wieder mal vor, dass mich meine Eltern allein zu Hause liessen. Oft den ganzen Tag. Spät am Abend kamen sie dann heim. Ich war ein kleiner Junge und wenn es in der Wohnung dunkel wurde, begann ich mich zu fürchten. In meiner Not hatte ich mich dann unter dem Bett versteckt. Ein Ort an dem ich Stunde um Stunde ausharrte.

Als ich dann älter wurde, waren das Alleine sein und die Dunkelheit keine Probleme mehr. Im Gegenteil. Nachts allein durch den Wald zu schleichen, machte mir als Jugendlicher Spass. Gerne suchte ich unheimliche Orte auf und genoss die Erregung und den Schauder. Angst war ab da kein Thema mehr.

Nur einmal noch packte mich die Furcht. Ich war ein junger Mann und mit meiner BMW R45 nach Süden unterwegs. An der spanisch-französischen Grenze wollte ich an einem Rastplatz ein wenig schlafen. Aber kaum hatte ich mich neben dem Motorrad auf den Boden gelegt, hielt ein Lieferwagen vor mir. Vier Typen sprangen aus dem Auto und machten sich daran mein Motorrad zu verladen. Ich stellte mich ihnen entgegen. Doch bevor sie mir eins aufs Maul geben konnten, kam eine Polizeipatrouille. Das war mein Glück, denn die Jungs machten sich aus dem Staub. Und auch ich verliess den Rastplatz. Ich fühlte mich hier nicht mehr sicher. In einem nahegelegten Waldstück fand ich dann einen ruhigen Ort für die Nacht. Meinen Schlafsack rollte ich auf weichen Kiefernnadeln aus. Und durch die Baumwipfel konnte ich einen gigantischen Sternenhimmel sehen. Lange schaute ich zum Firmament und dann spürte ich, wie sich jemand meine Beine packt und mich im Schlafsack in den Wald zieht. Ich sah wie sich Himmel und Baumwipfel bewegen und spürte Wurzeln und Unebenheiten, über die mein Körper geschleift wurde. Ich war vor Schreck gelähmt und konnte mich nicht bewegen. Ich wollte schreien, bekam aber keinen Ton raus. Und dann erwachte ich. Ich musste eingeschlafen sein und die realen Baumwipfel und der echte Sternenhimmel sind unmerklich zu Traumbildern geworden. Ich hatte einen sehr real wirkenden Alptraum. Danach konnte ich nicht mehr einschlafen. Denn die Angst, die ich gespürt hatte, war übermächtig. So furchtbar, dass mich dort die Angst vor der Angst plagte. Noch einmal wollte ich so etwas nicht erleben.

Es ist nicht gut, wenn man Angst vor der Angst hat. Denn das führt dazu, dass man Situationen vermeidet, in denen Angst entstehen könnte. Und das wiederum führt zu Einschränkungen. Ich mag keine Einschränkungen. Ich habe sie noch nie gemocht. Deswegen habe ich danach weiterhin unter freiem Himmel genächtigt und bald verschwand die Angst.

Bei der Behandlung von Angststörungen macht man auch nichts anderes. Konfrontationstherapie nennen das die Fachleute. Die Angstpatienten setzten sich Situationen aus, die ihnen Angst machen und lernen dabei, dass ihnen in diesen Situationen nichts passiert. Um so häufiger sie diese Erfahrungen machen, um so mehr verändert sich ihr Empfinden und sie verlieren die Angst. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Aber im Allgemeinen lassen sich Angststörungen gut behandeln.

Eine Konfrontationsselbsttherapie sollte ich nun auch machen, aber stattdessen greife ich zu dem Buch von Gerd de Bruyn. Mit der Analyse des Rockermärchens „Erlenbruch“ wird es allerdings nichts. Dafür ist das Buch zu gut. Die Geschichte zieht mich auch beim zweiten Mal in den Bann und ich lese das Buch von Anfang bis zum Ende. Ich erlebe das Sittenbild einer Jugend in der hessischen Provinz, der 1960er Jahre. Der Autor beschreibt das Leben eines einfältigen Kerls, der Mitglied in einem Rocker-Club werden will. Bis auf diesen Wunsch ist der junge Mann weitgehend ambitionslos. Und er bleibt bis zum Schluss ambitionslos. Ich verstehe dabei nicht, warum das Ganze ein Märchen sein soll. Gerd de Bryn begründet den Untertitel mit dem Hinweis, dass die Geschichte einen guten Ausgang nimmt. Aber tut sie das? OK, der Held ist am Ende körperlich unversehrt. Er ist weder dem Alkohol noch den Drogen verfallen. Und auch im Knast ist er nicht gelandet. Sicherlich eignen sich diese Faktoren als Ausgangsbasis für ein gutes Leben. Aber, reicht das für ein Märchen? In dem Entwicklungsroman entwickelt sich der Held nicht. Er ist ja am Ende ähnlich ambitionslos wie zu Beginn der Geschichte. Entsprechend hätte mich interessiert, wie sich der Protagonist nach einem ambitionslosen Leben fühlt. Daher enttäuscht mich das Ende etwas. Es erscheint mir genauso farblos, wie die Beschreibung des Rocker-Milieus. Ein grosser Zeitsprung am Schluss und ein dokumentarisch wirkender Abschnitt zur Entwicklung der Rocker-Szene wirken auf mich störend. Diese Elemente sind wie Fremdkörper in dem ansonsten harmonischen Textfluss. Bis auf diese Schwächen ist es aber ein gutes Buch. Und erst im Morgengrauen lege ich es zur Seite. Zudem ist Gerd de Bruyn ein vortrefflicher Exorzist. Denn während ich mich von seiner Sprache fesseln liess, hat der Spuk aufgehört. Umständlich erhebe ich mich aus dem Schaukelstuhl und krieche ins Bett. Dort schlafe ich bis zum Mittag.

Ich träume von meinem Motorrad, von meiner geliebten Royal Enfield. Im Gegensatz zur Enfield Bullet steht die nicht in meiner Bibliothek, sondern in der Garage. Die Royal Enfield ist komfortabler als die alte Bullet und sicherer zu fahren. Im Traum jage ich mit ihr die Gespenster, die mich plagen. Und nach dem Aufwachen muss ich gestehen, dass so eine Enfield das perfekte Fahrzeug für den stilbewussten Ghostbuster ist.

Dabei gibt es sogar einen echten Enfield-Bullet-Spuk. In Indien verunglückte einst ein junger Mann mit seinem Motorrad. Er verstarb noch an der Unfallstelle. Die Polizei stellte die schwer beschädigte Enfield Bullet sicher und nahm sie mit zur Wache. Aber am nächsten Tag war das Motorrad wieder am Unfallort. Kein Mensch konnte sagen, wie es dahin kam. Die Polizei nahm die Maschine wieder mit, doch das Motorrad kehrte auf geheimnisvolle Weise zurück. Und das immer wieder. Irgendwann hatte die Polizei die Nase voll und liess das Motorrad am Strassenrand liegen. Die Menschen glaubten, dass der Geist des Fahrers die Bullet zurückgebracht hat. Sie schmückten das Motorrad wie einen Altar und bauten einen Tempel drum herum. Dort kann man dem Geist des Verunglückten Opfergaben bringen und ihn um Schutz im Strassenverkehr bitten.

Besuchte Webseite: Weltenbumlereck
Nachtrag

Ich rufe meine beste Freundin an und erzähle ihr von den merkwürdigen Geräuschen in unserem Zuhause. Die lacht und meint, dass diese Geräusche schon immer da waren. Manchmal würde jemand in einem Raum auf und abgehen und sie glaube dann, dass ich es sei. Aber wenn sie nachschaut, dann ist der Raum leer und ich bin ganz wo anders im Haus.

Ganz mysteriös wird es, wenn Angeln von mir, fertig montiert in der Küche stehen. Um Mitternacht kann es sein, dass einer der Schwimmer heftig anfängt zu schwingen, während die anderen Schwimmer völlig ruhig bleiben. Dieses Schwingen beginnt ohne erkennbaren Grund und hält ungewöhnlich lange an.

Manchmal entdeckt sie auch merkwürdige Sandhäufchen auf dem Boden und hat keine Ahnung wie die da hinkommen. Ich verschweige ihr, dass Herr von Lucadou annehmen würde, dass meine verdrängten Probleme den Dreck im Haus verteilen. Diese These würde nur Ärger geben, denn meine physische Erscheinung macht ja schon genug Arbeit im Haushalt.

Stattdessen frage ich sie, wie sie mit diesen Spukphänomenen umgeht. Auch hier lacht meine beste Freundin.

„Ich habe damit kein Problem. Ich verdränge das Herumspuken einfach.»

Mir rät sie: „Das solltest du auch machen. Du bist doch ansonsten so gut im Verdrängen.“

Links zu Gerd de Bruyns Buch Erlenbruch – Ein Rockermärchen

Rezensionen von Gypsy Chimp

Rezension des grossen Zonko

Das Buch im Verlag: Eine besondere Erwähnung verdienen die wunderbaren Zeichnungen von Alexander Misch.

Links zum Thema Spuk

SRF-Interview mit dem Physiker und Psychologen Walter von Lucadou

Spukphänomene in der Schweiz

Der indische BaBa-Bullet-Tempel

Danksagung: Mein Dank gilt dem Enfield-Fahrer Ulli Peschen, der mich auf die Geschichte mit dem Bullet-Tempel aufmerksam gemacht hat. Unter dem Suchbegriff „Bullet Baba Tempel“ kann man seinen Beitrag auf Facebook finden.

Links zum Thema Angststörung

Was sind Angsterkrankungen?

Angststörungen: eine Übersicht

Zu den Personen

Prof. Dr. Gerd de Bruyn ist nicht nur ein angesehener Architekturtheoretiker. Der Schriftsteller und Hobbypianist ist ein echtes Multitalent. Und er hat ein Faible für geile Motorräder und alte Traktoren.

Magister Fritz Triendl, alias Zonko, ist freier Journalist, Buchautor, YouTuber und ein Urgestein der deutschsprachigen Motorradszene. Er war Herausgeber der legendären österreichischen Motorrad-Zeitschrift «Der Reitwagen» und mischt bei dem Internetportal 1000PS mit. Zonko hat Kultstatus. Und das was Ed Wood für den Horrorfilm war, ist Zonko für die YouTube-Motorradbeiträge. Wenn seine Videos nicht von 1000PS produziert werden, und er selber Hand anlegt, entstehen filmästhetische Katastrophen von hohem Unterhaltungswert.

Chipsy Chimp, der Autor mit dem Affen-Logo war ein aufsteigender Stern am Motorrad-Blogger-Himmel. Seine Beiträge zeichneten sich durch Stilsicherheit aus. Und er verstand es unterhaltsam und intelligent zu schreiben.

Plötzlich verschwand dieser aussergewöhnliche Motorrad-Primat. Sein Blog verwaiste und auf Anfragen reagiert er nicht mehr. Was ist passiert? Hatte er einen Motorradunfall? Hat ihm COVID-19 zugesetzt? Oder fehlt es ihm an der Zeit zum Bloggen?

Mittlerweile ist Chipsy Chimp eine Art Missing Link in der Evolution der Motorradblogger-Szene. Ich mache mir ernsthaft Sorgen und hoffe sehr, dass es ihm gut geht.

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Comments

  1. Ich wäre wohl vor Angst gestorben 😉. Meine Großmutter hat in der Feutersoey im Berner Oberland gelebt. Was die immer für Geschichten über schwarze Magie und Hexerei zu erzählen hatte! Jemand hatte scheinbar ihr Pferd verhext. Es war krank und niemand konnte helfen. Der Tierarzt selbst meinte dann, dass da sicher schwarze Magie im Spiel sei. Er meinte, dass sie in einem Kloster anrufen solle, dort könne man helfen. So schickte ein Mönch einige Tage später ein kleines Schächtelchen. Sie solle dies über der Haustür befestigen, dann hätte das Böse keinen Zutritt mehr. Sie dürfe die Schachtel aber niemals öffnen. Ab da an war das Pferd gesund und eine Frau, die immer Milch gebracht hatte und das Pferd kaufen wollte, setzte von da an keinen Schritt mehr über die Schwelle. Sache git‘s, die chame chum gloube! Liebe Grüße in die Schweiz 🇨🇭 Irène

    • Das ist eine wundervolle Geschichte, liebe Irène. Ich finde solche Berichte hoch spannend. Falls du noch mehr so schöne Geschichten von deiner Grossmutter weisst, würde mich das sehr interessieren.

      Der Schweizer Dokumentarfilm «Arme Seelen» aus dem Jahr 2011 greift solche mystischen Erzählungen aus dem Volksglauben auf. Er ist sehr sehenswert.

      Herzliche Grüsse nach Indien 🇮🇳
      Thomas

      • Meine Großmutter aus dem Oberland ist leider vor einigen Jahren gestorben, aber sie bot immer solche Geschichten feil. Dieses Schächtelchen lag danach immer in der Küche und es hätte mich als Kind immer so Wunder genommen, was dort drin war. Habe es immer wieder geschüttelt, aber geöffnet hat es nie jemand.

        Eine Geschichte an die ich mich auch noch gut erinnern kann, ist die vom Mütterlein, das Eier und Milch „sog“. Man erzählte sich, dass diese Alte während der ganzen Kriegsjahre immer mit Eiern, Milch und Butter versorgt war, obwohl sie weder Kuh noch Huhn und auch keine spendierfreudigen Nachbarn oder Verwandte hatte. Man munkelte, dass sie durch schwarze Magie die Eier und die Milch der Nachbarn “aufsog“. Faszinierend!

  2. Lieber Thomas, da hast Du aber wieder sehr viel von Dir preisgegeben. Kompliment für Deinen Mut diesbezüglich! Das würde ich mich nicht trauen.
    Wunderbar hast Du die Spuksequenz und Deine damit verbundene Angst beschrieben! Man konnte förmlich mit Dir zusammen die Treppe herunterschreiten und mitzittern!
    Kompliment auch für Deine umfassende Recherche bzgl. Parapsychologie etc. . Ja, das ist eine höchst interessante Materie! Ich selber hatte in meinem Leben zweimal Erlebnisse mit dem Unerklärlichen. Ich glaube, es gibt zwischen Himmel und Erde Vorgänge, die wir (noch?) nicht begreifen können. Herrlich den Einbezug Deiner Enfield als Krisenbewältiger!
    Im «politischen» Teil verstehe ich den Begriff «Angst» eher als «Sorge» (auch um die Demokratie und die christlichen Werte). Aber ich glaube, dass es gut ist, sich zu sorgen, damit diese, von uns als menschlich wichtig angesehenen Werte, bestehen bleiben.
    Und schließlich: Auch ich habe mir schon Sorgen gemacht um Gypsy Chimp, da man gar nichts mehr von ihm hört. Hoffentlich geht es ihm gut!
    Liebe Grüße
    Ulla

    • Liebe Ulla

      Vielen Dank für deine Rückmeldung. Hier ein paar Gedanken zur Abgrenzung von Angst und Sorge.

      «Angst ist ein Grundgefühl, das sich in bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis äussert. Die Erscheinungsformen der Angst reichen von einfachen Unsicherheiten bis hin zu den Psychosen. Der Begriff Sorge beschreibt ein durch vorausschauende Anteilnahme gekennzeichnetes Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt und zu sich selbst. Eine erwartete Not wird gedanklich vorweggenommen und wirkt sich im Fühlen, Denken und Handeln aus.»

      So in etwa steht es der freien Enzyklopädie Wikipedia. Wenn ich im Text schreibe, dass ich die Bedrohungen für unsere freiheitlichen demokratischen Grundordnungen meist verdränge und das es besser wäre, wenn dieser Umstand mir Angst machen würde, dann bewegt sich diese Aussage unscharf in dem oben genannten Spektrum. In meinem Sprachempfinden beschreibt der Begriff Sorge mehr den rationalen und der Begriff Angst eher den emotionalen Bereich. Wo bei das streng genommen nicht stimmt.

      Nach dem ich gestern Abend über deinen Einwand nachgedacht und dabei eine Dokumentarfilm gesehen habe, bin ich zu dem Schluss gekommen das Sorge vielleicht etwas zu schwach ist. In dem Film ging es um den Verrat der Demokratie in Deutschland durch rechtsbürgerliche Kreise. Mit Beklemmung wurde der Aufstieg der Nationalsozialisten gezeigt. Im Angesicht dieser Bedrohung hätten der Welt etwas mehr als nur Sorge gut getan. Etwas so monströsem kann man nur mit Angst und Mut begegnen. Die Bedrohung von damals wird heute wieder ganz real und ich selbst mache mir nur Sorgen. Ich glaube etwas mehr Angst und Mut würde hier angemessen sein. Ersteres übergehe ich gern und letzteres liegt mir so gar nicht.

      Allzu mutig ist der Text nicht. Es geht mir hier unter anderem um eine Kultur, in der wir unbefangen über psychische Gesundheit reden und diese Thematik aus der Tabuecke heraus holen. Angst haben, darf nicht als Makel gelten und Angst darf auch unberechtigt auftreten. Ich möchte hier zeigen, dass es Mittel uns Wege gibt danit adäquat umzugehen und das es voll OK ist, dass man dort, wo man selbst nicht weiter kommt, die Hilfe von Profis in Anspruch nimmt.

      Die mysteriösen Erlebnisse von dir würden mich brennend interessieren. Vielleicht berichtest du mir mir ja mal darüber.

      Herzliche Grüsse
      Thomas

  3. Liebe Irène

    Das sind ja spannende Geschichten. Die Schweiz ist ein Eldorado für solche Berichte und das finde ich sehr anregend.

    Herzliche Grüsse nach Indien 🇮🇳
    Thomas

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