Geschichte des Schulfilms

Der Autor Thomas Kochj

Einleitung

In der Schweiz können – dank Plattformen wie nanoo.tv – ganze Filme und Fernsehsendungen für das Lernen und Lehren legal im Unterricht genutzt werden. Das ist eine kleine Revolution. Denn bisher verhinderte ein rigides Urheberrecht eine solche Nutzung. In Deutschland ist das immer noch so. Die dortigen Fernsehanstalten produzieren hochwertige Lernmaterialien, die einzig zur Berieselung der Fernsehzuschauer dienen. Hier werden meiner Ansicht nach Steuergelder verschleudert, in dem man ein gewaltiges Bildungspotenzial nicht nutzt. Aber wie wurden in der Vergangenheit Filme im Unterricht verwendet? Mit dieser Frage setze ich mich in diesem Blogeintrag auseinander.

„Das Lehren reinen Stoffes wird durch absolute Wunderstars im Netz erledigt werden können. Man nehme die 20 allerbesten Lehrer der Welt und filme mit enormen Aufwand Videos, Wissenskurzspots, Zeichentrickfilme drumherum. Dazu gibt es Miniprüfungen und Wiederholungssessions. Lokal in den Ländern gibt es reine Prüfungslehrer, bei denen man sich zum Examen anmelden und es dort ablegen kann. In der Schule selbst wird das gelehrt, was heute eher gar nicht in der Schule vorkommt, aber immer mehr im Leben gebraucht wird: praktische Ethik, Gemeinsinn, Solidarität, Rhetorik, Präsentieren und Überzeugen, Managen, Grundzüge der Projektleitung, Psychologie, Kommunikation, Zeichnen, Malen, Komponieren und Musizieren, Theaterspielen, Dichten und Ausbildung in einer Leistungssportart nach Wahl (es geht hier nicht nur um Körperertüchtigung, sondern um Schulung von Instinkt, Beherrschung, Selbstdisziplin, Willensstärke, Initiative etc., darum wissen alle asiatischen Lehren).“

Die Vision vom Videofilm-Unterricht publizierte der Philosoph und Mathematiker Gunter Dueck 2012 anlässlich des Tages des digitalen Lernens. Seine Idee ist gut, aber nicht neu und bei Lehrpersonen genauso unbeliebt wie vor über hundert Jahren. Dabei hat die Bedeutung des Mediums Film immer weiter zugenommen und es ist davon auszugehen, dass die Kommunikation mit audiovisuellen Mitteln in Zukunft eine ähnliche Relevanz bekommen wird, wie es heutzutage Schrift und Sprache haben. Trotzdem können sich nur Fachleute mit bewegten und unbewegten Bildern angemessen ausdrücken. Bedenkt man jedoch, wie viele Fotos und Filme von Laien in sozialen Netzwerken landen, wird klar, dass Foto- und Videokompetenz nicht im Elfenbeinturm der Medienfachleute bleiben darf. Viele der Urheber unter den Laien können die rechtlichen, sozialen und psychischen Folgen ihrer Publikationen nicht absehen. Für sie muss der Umgang mit Film und Foto ein wichtiger Teil der Informationskompetenz werden. Es geht aber nicht nur um Grundkenntnisse des Ausdrucks und der Anwendung. Internet, Film und Fernsehen beherrschen unseren Alltag und gehören zu den wichtigsten Kulturerfahrungen im Leben vieler Menschen. Das „Lesen“ der audiovisuellen Inhalte, die dort angeboten werden, muss gelernt werden. Ein Mangel an Medienkompetenz lässt hier die Gefahr von Manipulierbarkeit steigen und kann unsere Demokratien in ihren Grundfesten erschüttern. Dafür braucht es nicht einmal viel Equipment. Denn die digitale Technik sorgt für eine einfache und kostengünstige Verbreitung von audiovisuellen Inhalten. Sie revolutioniert die Einsatzmöglichkeiten von Video, Audio und Foto in Beruf, Bildung, öffentlichem- und privaten Leben. Wie aber sollen wir auf all diese tiefgreifenden Entwicklungen reagieren? Werfen wir einen Blick auf vorherige Generationen. Wie sind sie mit den medialen Herausforderungen ihrer Zeit umgegangen?

Der vorliegende Text erzählt die Geschichte der Filmpädagogik in der Schweiz und in Deutschland. Er beleuchtet die Anfänge des Films, die bewahrpädagogischen Ansätze in den 1900er bis 1950er Jahren, die ideologiekritische Filmpädagogik der 1960er Jahre, die handlungsorientierte Filmpädagogik in den 1970er bis 1980er Jahren und die filmpädagogischen Ansätze der Konzepterweiterung, die es seit den 1990er Jahren gibt. Diese Strömungen repräsentieren die Entwicklungsgeschichte der Filmpädagogik. In über hundert Jahren haben Generationen von filmbewegten Menschen dazu die verschiedensten Theorien, Konzepte und Ansätze entwickelt. Ihre Erkenntnisse und Irrtümer sind unser Erbe und eine wichtige Ressource, um den filmpädagogischen Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Filmpädagogik ist so komplex, dass man sie mit einzelnen Theorien nicht fassen kann. Aus diesem Grund ist ein pragmatischer Ansatz nötig, ähnlich wie ihn Michael Kerres für die Medienpädagogik propagiert. (1) Es geht darum, alle Theorien und Konzepte in einem Pool zu vereinen und dann, basierend auf filmpädagogischen Bildungsproblemen, das zu nehmen, was am nutzbringendsten ist. Eine solche Theorie grenzt sich von den ideologischen und dogmatischen Haltungen früherer Filmpädagogen ab. Aber nicht despektierlich, denn die Medienpädagogen von damals waren genauso Kinder ihrer Zeit, wie wir es heute sind. Wie sie, werden wir Wissen generieren, aber auch Fehler machen und nachfolgende Generationen werden uns aus einem Fokus betrachten, der uns jetzt noch fremd ist. Die Filmpädagogik der Zukunft steht vor dem Problem, dass sich die Entwicklungen im digitalen Bereich, mit rasantem Tempo vollziehen. Filmpädagogische Erkenntnisse werden erst dann gewonnen, wenn der nächste Technologieschritt längst Alltag ist. Agiles Handeln und eine hohe Flexibilität sind hier gefragt. Dazu braucht es interdisziplinäres Denken und das Wissen um die Entwicklungen der Vergangenheit.

Inhalt

(1) Vgl. Kerres, M., de Witt, C. (2002): Quo vadis Mediendidaktik? Zur theoretischen Fundierung von Mediendidaktik. www.medienpaed.com

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