Mit der Royal Enfield ins Paradies

Was zur Hölle ist das Paradies? Und wo liegt es? Der Versuch einer Klärung inklusive einiger Besuche.
Der Begriff Paradies kennzeichnet einen Ort, der als äusserst günstig und ideal für jemanden angesehen wird. Daneben gibt es eine mythologische Dimension des Begriffes. Das biblische Paradies, wo die Menschen zu Anfang ihrer Existenz gelebt haben. Und ein Paradies, dass nach dem Tod auf uns warten soll – gemeinhin auch Himmel genannt.
Ich bin auf dem Weg ins Paradies und nein, es ist hier nicht von meinem Ableben die Rede. Auch das Paradies aus dem Gott Adam und Eva vertrieb, ist nicht Ziel meiner Reise. Kann es auch gar nicht. Diese Destination steht uns Menschen seit dem Sündenfall nicht mehr zur Verfügung. Ein Umstand, den ich ziemlich krass finde. Auch als katholisch sozialisierter Mensch.

Adam und Eva hatten doch nur einen Apfel geklaut. Zudem wurden sie von einer fiesen Schlange dazu verführt. Gott aber verhängte für diese Bagatelle eine drakonische Strafe: Lebenslange Arbeit, viel Ungemach, Leid und den schlussendlichen Tod.
Und das nicht nur für Adam und Eva. Nein! Gott bediente sich eines juristisch fragwürdigen Elements. Nämlich dem der Sippenhaft. Er bestrafte all ihre Nachkommen, also die gesamte Menschheit. Die Bibel spricht hier lapidar von der Erbsünde.
Ich kann mir nicht helfen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass Gott da ein klein wenig überreagiert hat.
Darüber mache ich mir Gedanken, während ich auf meinem Motorrad sitze und dem Paradies entgegenfliege. Die Tachonadel zittert bei sagenhaften hundert Stundenkilometern. Und auf einem archaischen Fahrzeug wie der Royal Enfield Classic ist das eine Geschwindigkeit, bei der sich durchaus Fluggefühle einstellen können.

Wenige Fahrzeuge sind auf der Autobahn unterwegs. Nur gelegentlich zieht ein Auto vorbei und zeigt mir, dass ich viel langsamer fahre, als es sich anfühlt. Geschwindigkeit ist halt relativ.
Am Horizont leuchten verheissungsvoll schneebedeckte Berge. Majestätisch ragen die weissgepuderten Felsen in den Himmel. Für mich, als gebürtigen Rheinländer, ist das ein exotischer Anblick. Selbst nach all den Jahren, die ich schon in der Schweiz lebe.
Diese Berge sind wie ein Versprechen für Ferien. Ein Versprechen für Freiheit und für das Loslassen vom Alltag. Dort liegt das Paradies. Und die Tatsache, dass es mich dahinzieht, hat etwas mit der Vertreibung aus dem biblischen Paradies zu tun.
Nicht dass ich ein naiver Mensch bin. Ein Mensch, der glaubt, dass das Alte Testament ein journalistisch exakter Bericht ist. Ich glaube nicht an einen göttlichen Obstfetischisten, der Erkenntnis in Äpfeln verpackt. Und ich glaube nicht an einen bösartigen Gott, der extrem nachtragend ist.

Nein, diese alttestamentarische Geschichte hat für uns Menschen eine andere Bedeutung. Sie ist eine der Storys, die legendenhaft von einer dramatischen Zeit berichten. Einer Zeit in der sich die menschliche Lebenswelt grundlegend veränderte. Diese biblische Geschichte handelt von der neolithischen Revolution. Und seit dieser Revolution wird sie immer wieder erzählt. Damit ist die Story von Adam und Eva zu einem wichtigen Teil des kollektiven Menschheitsgedächtnisses geworden.
Der Mensch lebte vor der neolithischen Revolution durchaus in einem Paradies. Er jagte und sammelte und wenn nicht gerade, Krankheit, Unfall oder der Tod dazwischenkam, hatte er eine ganz passabele Lebenserwartung. Das alles fand ein Ende. Kein jähes Ende, aber ein Ende, dass sich über Jahrtausende hinwegzog.

Die Menschen kosteten von der Frucht der Erkenntnis und wurden so aus diesem Paradies vertrieben. Der Apfel ist hier nur symbolisch. Die simple, aber alles entscheidene Erkenntnis, die die Menschen erlangten, war die der Fortpflanzung. Sie realisierten wie sich Pflanzen und Tiere vermehrten. Und die Menschen setzten dieses Wissen ein, um ihr Leben zu gestalten. Das Ergebnis war der Wechsel von der aneignenden Lebensweise der Sammler und Jäger zu der erzeugenden Wirtschaftsweise von Bauern und Hirten. Ein Wechsel, der mit massiven gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen einher ging. Ein Wechsel, der harte Arbeit, mehr Krankheiten und eine kürzere Lebenserwartung mit sich brachte. Vor allem aber entfremdete sich der Mensch von sich selbst und von seiner Umwelt.
Sesshaftigkeit war eine Notwendigkeit für den Ackerbau. Und so ungesund und wenig geeignet diese Lebensweise auch war, die Menschen bekamen mehr Kinder.

Hier lag dann auch der entscheidende Erfolg der neolithischen Revolution. Die Nachkommen der Sesshaften wurden mehr und die Jäger und Sammler wurden weniger. Schlussendlich starben sie aus, zumindest weitgehend.
Ackerbau und Viehzucht bedingen Besitz. Und in einer Gesellschaft in der Individuen Land und Produktionsmittel besitzen, gibt es bald Menschen, die mehr oder weniger haben. Und wer weniger hat kommt in Versuchung, anderen ihren Besitz wegzunehmen. Natürlich gibt es dann noch diejenigen, die immer mehr haben wollen.
So setzte die Erfindung des Eigentums eine Spirale unvorstellbarer Gewalt in Gang. Mit Kain der seinen Bruder Abel erschlug, erzählt die Bibel von diesen fatalen Auswirkungen. Die neolithische Revolution ist die Mutter von Kriegen und zwischenmenschlichen Konflikten. Aber nicht nur das.

Viehzucht und Landwirtschaft ermöglichte dem Menschen mehr zu produzieren, als er selbst essen konnte. Somit wurde Arbeitskraft frei und das brachte Spezialisierung mit sich. Es bildeten sich Klassen heraus, die von der Arbeit der Bauern und Viehzüchter leben konnten. Zum Beispiel Handwerker, die im Tausch für Lebensmittel Gebrauchsgegenstände anfertigten. Oder Krieger, die den Besitz verteidigten. Und Herrschende mit ihren Beamten und Pristern. Menschen, die organisierten, drangsalierten und ausbeuteten, je nachdem wo ihre charakterlichen Schwächen lagen.
Es entstandenen Siedlungen, die zu Städten wuchsen. Städte, die die Keimzellen der Hochkulturen waren.
Rasend schnell verflogen Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Auf die Antike folgte das Mittelalter, die Aufklärung und die Industrielle Revolution. Heute stehen wir zu Beginn der digitalen Revolution und in den nächsten Jahrtausenden warten Umwälzungen auf uns, die ähnlich dramatisch sein werden, wie die der neolithischen Revolution. Wenn wir nicht aussterben, sei es durch eigene Blödheit oder äussere Einflüsse, werden unsere Nachkommen die Veränderungen miterleben und mit gestalten.
Ich verdränge diese dramatischen Umwälzungen und bin auf dem Weg in die Zeit vor der neolithischen Revolution. In ein Ersatzparadies, in dem der Mensch noch jagen und sammeln darf. Wobei das Jagen dort aufs Fischen begrenzt ist. Und das Bedürfnis zu Sammeln leben wir ja beim Shopping aus.
Unter mir knattert ein Fahrzeug, dass ein Produkt der Industriellen Revolution ist. Und dieses Gefährt lässt mich vor den Auswirkungen der neolithischen und digitalen Revolution fliehen. Lauter Revolutionen, die uns Menschen überfordern und solche gelegentlichen Fluchten notwendig machen.

Ich bin auf dem Weg zum Lungerersee. Einem Naturstausee, der zwischen Luzern und Interlaken liegt. Einem See, der voller Forellen ist.
Eigentlich ein Novum, denn der Forellenbestand ist in der Schweiz stark zurück gegangen. So stark, dass ich an anderen Orten keine Forellen jagen mag.
Die Forellen sind Revolutionsopfer. Opfer der neolithischen Revolution, die soviele Menschen hervorgebracht hat. Menschen, die den Fischen den Lebensraum streitig machen. Opfer der industriellen Revolution. Einer Revolution, die mit massiven Eingriffen in die Gewässer einhergeht. Eingriffe, die die verbleibenden Lebensräume zerstören. Und Opfer der digitalen Revolution. Einer Revolution, die wie ein Turbolader des Kapitalismus wirkt. Im Zuge dieser Entwicklung werden Produktionsprozesse optimiert und die Zerstörung der Lebensräume beschleunigt.
Der einzige Grund, warum es im Lungerersee Forellen gibt, ist das menschliche Streben nach Besitz. Genauer gesagt nach Geld.
Die Lungerersee AG verdient an der Sehnsucht des Homo Sapiens nach Jagen und Sammeln. Zu diesem Zweck betreibt sie das Fischerparadies. Und deren Mitarbeiter setzen regelmässig Forellen in den See – bis zu 3 Tonnen jährlich. 3 Tonnen, die der naturentfremdete und revolutionsgeplagte Mensch jagen darf.
Ich bin einer dieser Menschen und steure als erstes das Ladengeschäft an. Denn vor dem Jagen kommt das Sammeln.

Hier, am Ufer des Lungerersees kann man Angelpatente kaufen und in einem gut sortierten Shop diverses Mordsinstrumentarium erwerben.
Dort gibt es was das Anglerherz begehrt und alles was man braucht, um den Forellen zu Leibe zu rücken.
Während ich durch den Laden schlendere, packe ich meinen Warenkorb voll. Ich mache das mit dem gleichen Enthusiasmus, mit dem so manche Frau Schuhe einkaufen geht.
Ich sammele Schwimmer, Gummistopfen und Schnüre. Dazu perfide Fischimitationen aus Metall. Deren furchterregenden Hakenkonstruktionen sollen in dem Maul hängen bleiben, dass den vermeintlichen Fisch fressen will.
Forellen neigen nämlich zum Kanibalismus. Sie leben in einer brutalen Welt. In einer Welt, in der die Grösseren die Kleineren verspeisen.
Die Revolution frisst die Forellen und die fressen ihre eigenen Kinder. Und ich, der Nachkomme von neolithischen und industriellen Revolutionären, will auch mitfressen. Als Protagonist der digitalen Revolution, verzehre ich am liebsten mittlere bis grosse Forellen.

Deshalb packe ich auch noch Spirolinos in den Korb. Das sind bojenartige Gebilde, die ich vor den Metallfischen montieren werden. Mit so einer Boje wird aus der Fischimitation ein torkelnder Fisch. Ein Fisch, der krank wirkt und eine leichte Beute ist. Forellen lieben solche Fische.
Hier noch etwas Blei und dort noch ein paar kleine Karabiner. Und natürlich das obligatorische Döschen mit den Bienenmaden.
An der Kasse lasse ich dann einen dreistelligen Betrag liegen. Es wäre sicher günstiger die Forellen im Supermarkt zu kaufen. Aber das macht bei weitem nicht so viel Spass.
Doch, bevor ich auf mein Motorrad steige, um dem See einen Besuch abzustatten, werfe ich einen Blick auf das Wasser.

Blaugrün schimmert das Nass. Am Ufer stehen die Fischer. Ich zähle an die zwanzig Angler und das nur hier in diesem Abschnitt. Auf dem See fahren drei Fischerboote.
Es ist Montag und so darf ich hoffen, dass weiter hinten weniger Petrijünger unterwegs sind. Kurz vor der Ortschaft Lungern finde ich dann einen Platz, den ich für mich allein habe. Die nächsten Fischer stehen in zweihundert Meter Entfernung.
An Wochenenden und an Feiertagen wäre das undenkbar. Da ist im Paradies die Hölle los. Ich habe schon erlebt, wie es zu Streit kam, weil sich die Angler gegenseitig bedrängten.
Das Fischerparadies ist erfolgreich. So erfolgreich, dass es zu einem Problem wird. Die Anwohner reagieren zunehmend genervt auf diesen Ansturm. In einer Petition fordern sie mehr Lenkungsmassnahmen.
Eine dieser Massnahmen ist nun die Tatsache, dass nur noch Patente an Personen mit einem eidgenössischen Sachkundeausweis ausgeben werden. Dieser Ausweis bescheinigt ein Minimalwissen bezüglich des Angelns und befähigt zu einem waidgerechten Umgang mit dem Fisch.
Rund ein Drittel der Patente wurde bis jetzt von Leuten erworben, die keinen Ausweis haben. Hier ist zu hoffen, dass diese Restriktion den Ansturm der Fischer mässigen wird.
Ob das ausreicht, muss sich erst noch zeigen. Littering und Wildparkieren sind auf jeden Fall ein aktuelles Problem.
Während sich die Polizei den falsch parkierten Fahrzeugen annimmt, verstärkt die Lungerersee AG die Massnahmen zur Uferreinigung. Ausserdem sollen mehr Abfalleimer aufgestellt werden.

Ich parkiere mein Motorrad ordnungsgemäss und beginne mich aus der Schutzkleidung zu pellen. Bis ich mein Anglerzeug anhabe und die Sachen diebstahlsicher verpackt sind, vergeht eine halbe Stunde. Motorradfahren ist zwar schöner und parkplatzsparender als Autofahren, dafür aber auch viel umständlicher.
Mit zwei Angelruten in der Hand begebe ich mich runter zum See. Zu Anfang des Jahres ist viel Wasser abgelassen worden und ein Teil des Seegrundes liegt jetzt trocken.
Man macht das um Schmelz- und Regenwasser aufnehmen zu können und um beim Ablassen Energie zu gewinnen. Der Lungerersee ist ein Naturstausee. Also ein See der natürlich entstand und der von Menschenhand geformt wurde.
Das mit dem regelmässigen Ablassen des Wassers kann ortsunkundigen Kriminellen schnell mal zum Verhängnis werden. Wie zum Beispiel den drei Mördern aus der Westschweiz. Die Herren haben in bester mafiamanier zwei Konkurrenten erschossen und die Leichen dann in Tonnen mit Zement fixiert. Anschliessend sind sie in den beschaulichen Kanton Obwalden gefahren und dort haben die Mörder die Leichen zu den Fischen geschickt. Die Toten baumelten im ewigen Frieden aus ihren Tonnen und die Forellen des Lungerersees hatten endlich was Anständiges zu knabbern.
Bis zu dem Moment als das Wasser abgelassen wurde. Ein Fischer entdeckte die Tonnen und die Polizei entdeckte die Mörder.

Und die Moral von der Geschichte? Sollte die geneigte Leserschaft lästig gewordene Ehepartner, Schwiegermütter, Nachbarn oder Geschäftsleute entsorgen wollen, nehmt bitte nicht den Lungerersee. Es gibt so viele andere schöne Seen in der Schweiz. Und am allerbesten verzichtet man gänzlich auf Mord und Todschlag. Anstelle dessen geniesst man dann den Seelenfrieden, den ein gewaltloses Leben mit sich bringt.
Aber letzteres stimmt nicht ganz. Ich suche meinen Seelenfrieden mit Mord und Todschlag. Und die Opfer meiner Gewalt sind Edelfische. Empfindsame Lebenwesen, die ich brutal massakriere und nach Raubtierart verspeise. Jedem Veganer wird sich bei einem Menschen wie mir der Magen umdrehen. Und so manch radikaler Tierschützer würde für mich die Todesstrafe fordern. Eine Massnahme, die ich nicht so gut finde.
Nach meinem ethischen Empfinden ist das menschliche Leben das höchste Gut. Niemand darf einem anderen Menschen das Leben nehmen. Bei Tieren sehe ich das nicht ganz so eng, vor allem wenn sie lecker sind. Klar, auch der Mensch ist letztendlich ein Tier. Ein Tier mit besonders ausgeprägtem zentralem Nervensystem und dem daraus resultierenden Bewusstsein. Aber das ist halt der kleine, aber feine Unterschied.
Der Mensch ist aufgrund dessen zu sittlichen Handeln fähig und deshalb geniesst er gegenüber Tieren eine ethische Sonderbehandlung. Er ist gleichzeitig moralisches Subjekt und Objekt. Das wusste schon der alte Kant. Neuere Philosophien stellen das aber in Frage. Und die Biologen geben ihnen recht. Denn auch Tiere sind in einem gewissen Umfang zu moralischem Handeln fähig. Forellen gehören aber nicht dazu.

Hier setzen die neueren Tierethiken andere Massstäbe an. Nicht mehr die Frage des Bewusstseins zählt, sondern die Frage, inwieweit ein Lebewesen Schmerz empfindet.
Forellen sind empfindungsfähig und meine Zivilisationsflucht ins Fischerparadies am Lungerersee ist eine verdammte Tierquälerei. Ein Umstand den ich all zu gern verdränge.
Sollte das mit der Reinkarnation stimmen, so hoffe ich, dass mir das mit der Fischquälerei nicht übelgenommen wird. Es wäre jetzt echt doof, wenn ich zur Strafe ein paar Leben als Fisch fristen müsste. Als Fisch, der am Ende von Käpt’n Iglo zu Stäbchen verarbeitet wird.
Die Idee von der Reinkarnation als ausgleichende Gerechtigkeit ist ja eher so ein hinduistisches Ding. Als Katholik komme ich stattdessen in ein Forellenfegefeuer. Oder auch nicht. Immerhin waren einige frühe Christen passionierte Fischmörder.
In meinem Leben bin ich das wichtigste Lebewesen. Und in dem Kosmos der Forelle, die ich fange, ist sie es. Ich habe kein Recht, mein Wichtigkeitskriterium über das der Forelle zu stellen, ausser dem Recht des Stärkeren.

Das ist zwar unethisch, macht mir aber viel Spass. Zumindest das Überlisten und Fangen des Fisches. An das Töten und Ausnehmen der Fische habe ich mich immer noch nicht gewöhnt. Und ich bin froh darüber, dass ich mit meiner Zivilisationflucht nicht völlig verrohe.
In einem Facebook-Forum schrieb mir mal ein User, dass Menschen wie ich einen an der Waffel haben. Menschen, die Tiere mit Haken aus ihrem Lebensraum zerren, um sie dann zu erschlagen.
Ich hoffe der Mann ist Veganer, zumindest aber Vegitarier, denn dann kann ich diese Kritik akzeptieren. Fleisch und Fisch zu essen und den brutalen und unappetitlichen Teil outsourcen ist ebenso verwerflich wie mein Angeln.

Seit ich angele und ich so mit dem Lebewesen, dass ich esse in Beziehung trete, gehe ich sorgsamer damit um. Ich esse weniger Fleisch und Fisch, denn mir wird mit dem Akt des Tötens klar, dass hinter jedem Bissen Leid und Schmerz steht.
Meist weigere ich mich Fleisch und Fisch zu kaufen, dass nicht biologisch ist und ich esse nur Tiere, denen zuvor ein artgerechtes Leben gewährt wurde. Diese Konesequenz des Angelns ist teuer und hier ist der öftere Fleischverzicht auch ökonomisch sinnvoll.
Irgendwann, wahrscheinlich in naher Zukunft, wird Fleisch im Labor gezüchtet. Für den Genuss muss kein Lebewesen mehr leiden.
Heute aber fahre ich mit ein paar Forellen im Gepäck nach Hause. Und dort lass ich es mir dann ganz unethisch schmecken.
Fortsetzung : Ich bin OK, du bist OK und der Fisch geht KO! Weinselige Selbstgespräche mit einem Fischkopf und ein kurzer Diskurs zu den wichtigsten tierethischen Positionen.

Anmerkung
Mittlerweile sind die Restriktionen am Lungerersee seit einem Jahr in Kraft und im Paradies ist immer noch die Hölle los.
Fotomontagen





Fotos











Uih Thomas, da hast Du aber mal wieder viele Themen aufgegriffen und Dich eingehend philosophischen Fragestellungen hingegeben! Da musste ich alles erst zweimal lesen und sacken lassen, um einigermaßen auf Dein intellektuelles Niveau zu klettern! (Wo ich natürlich nie ankommen werde! 🥴)
Sehr interessant die Passage mit dem Sündenfall und köstlich, wie Du «Gott» dafür verantwortlich machst! Da merkt man doch den Rheinländer in Dir!! 😅
Sehr lehrreich die Menschheitsgeschichte der verschiedenen Stadien und die daraus resultierende Habgier.
Und mit der Angelei nimmst Du Dich selber köstlich aufs Korn!
Außerdem noch die Umweltproblematik am See – welche Themenvielfalt!
Irgendwie fürchte ich, dass Deinen Ideen die Plattform Facebook nicht gerecht wird. Du solltest philosophische Zirkel gründen. (Das meine ich ernst!)
Es könnte sein, dass bei FB die Leser nicht so in die Tiefe eindringen.
Aber ich bin neugierig auf Deine weiteren Erlebnisse und Gedanken im Paradies! Ulla
Danke für die schöne Rückmeldung, liebe Ulla. Aber nu tu mal mit deinem intellektuellem Niveau nicht tiefstapeln. Ein Gespräch mit dir, ist ein echter Genuss und deine Gedankengänge hoch spannend. Und über deine Kommentare freue ich mich sehr. Herzliche Grüsse aus der Schweiz 🇨🇭 Thomas
Als jemand der eine Forelle bestenfalls von einem Lurch unterscheiden kann, der also außer der Tatsache daß er kein Schweizer ist auch niemals so eine Lizenz bekommen würde, finde ich diese Angelgewässer durchaus angenehme Orte, an denen Menschen wie ich Ruhe finden können.
Allerdings finde ich diese Ruhe auch anders. Beim Fahren meines neu erworbenen Kraftrades beispielsweise, es handelt sich ebenfalls um einen Apparat aus indischer Fertigung, schaffe ich es, dieses Denken auf ein Minimum zu reduzieren.
Die Orgie an schabenden, kratzenden und polternden Geräuschen lassen einen Fahrer von geschmeidigen Vierzylindern (in diesem Falle also mich) zunächst höchst misstrauisch und mitunter sogar etwas ängstlich werden.
Vermutlich hat ein Jeder so seine Strategien mit dem Leben an sich zurecht zu kommen. Die schlechteste Methode sind diese indischen Kräder diesbezüglich bestimmt nicht. Fordern sie doch die Sinne auf angenehme Weise sich mit unüblichem zu beschäftigen….
Vielen Dank für deinen Kommentar. Oh ja, indische Motorräder haben etwas meditatives. Das ist übrigens eine sehr schöne Himalayan, die du fährst!
Endlich erklärt mal Jemand, warum das mit dem Apfel so ein Drama war! Danke auch für den wertvollen Tip mit dem Lungerersee. Ich hatte ihn schon auf meiner Liste zum Entsorgen von Leichen…
😅👍
Ui. Manche Zeile habe ich zwei Mal gelesen. Wir haben als Kinder die Forellen mit Gabeln aus einem sauerländischen Wiesen-Bächlein geräubert. Meine früheste, gastronomische Forellenerinnerung war geprägt vom Duft heißer Butter, dem frisch-wilden Odeur der frisch ausgenommen gebrutzelten Bachforellen und den in heißem Dampf gelösten Röstaromen der bemehlten, dann knusprig gegarten Forellenhaut. Die kleine Salmonide ist bis heute mein Lieblingsfisch!
Forellen mit Gabeln aus einem Wiesenbächlein räubern, klingt wunderbar wild-romantisch. Welche schöne Erinnerung.
Zeilen zweimal gelesen: Ja, irgendwie ist mir da kein gut verdaulicher Text gelungen. 🙂
Nänä. Ich musste das Gebotene mit Bedacht aufsaugen. Du erschließt dich interessante Sichten und Einsichten, die in meiner streckenweise leicht trivialen Wahrnehmungswelt zu wenig Raum einnehmen.
Wer dich ein wenig kennt weiss, dass Linne und triviale Wahrnehmungswelt ein Widerspruch in sich ist.