Frauen können besser Motorradfahren

Gedanken zum Weltfrauentag 2019

Frauenhand am Lenkrad
Frau am Steuer: Weniger Alkohol, weniger Risiko, weniger Unfälle, weniger Tote. Aber wie sieht es am Motorradlenker im Allgemeinen und am Enfield-Lenker im Besonderen aus?

Letzte Woche war Weltfrauentag und ich möchte das zum Anlass nehmen, um über eine vorurteilsbelastete Streitfrage nachzudenken: Sind nun Frauen oder Männer besser, wenn es darum geht eine Enfield zu fahren. Mangels Quelldaten muss ich die Frage etwas weiter gefasst stellen und auf das Lenken von Motorrädern, ja sogar auf das Fahren von Kraftfahrzeugen allgemein beziehen. Klar, es gibt unabhängig vom Geschlecht Verkehrsteilnehmende, die ihre Sache besser oder schlechter machen. Aber vielleicht gibt es ja statistisch Anhaltspunkte, die Unterschiede bei den Geschlechtern aufzeigen und die uns Rückschlüsse auf die Enfield-Fahrerinnen und Fahrer erlauben. Das statistische Bundesamt in Deutschland erhebt solche Daten regelmässig. Die letzte Auswertung stammt aus dem Jahr 2017. Die Zahlen, die dort publiziert sind, lassen aufhorchen, denn nur 4,5 % der Frauen verunglückten mit einem Kraftrad. Bei den Männern waren es 16,1 %. Da Frauen noch immer relativ selten mit Krafträdern fahren, sind diese Zahlen nicht ganz so aussagekräftig. Deswegen lohnt sich ein Blick auf die allgemeine Verkehrsstatistik. Hier zeigt sich, dass das Risiko für Frauen zu verunglücken, gemessen an ihrer Bevölkerungszahl, deutlich geringer als das der Männer ist. Richtig krass wird es, wenn es um die tödlich Verunglückten geht. Da sterben fast dreimal so viele Männer wie Frauen auf Deutschlands Straßen.

Mir scheint anhand dieser Fakten, dass Frauen weitaus weniger gefährlich im Strassenverkehr agieren, als wir Männer das tun. Vieles deutet also darauf hin, dass Frauen ihre Maschinen sicherer beherrschen und ich wüsste jetzt nicht, warum das bei einer Enfield anders sein sollte. Es sei denn die Frau sitzt hinten drauf und verlässt sich auf den Mann am Lenker. Wenn es hier genauso zugeht wie bei den Autos, dann kann das richtig tödlich werden. Dazu schreibt das Bundesamt, dass häufiger weibliche Beifahrende verunglücken und dabei ums Leben kommen.

Gut, auch da könnte man einwenden, dass Männer weniger häufig als Beifahrer unterwegs sind, als Frauen. In meinem persönlichen Umfeld ist das anders. Die Frauen fahren dort besser Auto als ich es tue. Deswegen verlasse ich mich gern auf ihre Fahrkünste. Meine Geschlechtsgenossen reagieren darauf oft mit Befremden. Manchmal sind es auch mitleidige Blicke, die ich als Beifahrer neben einer starken Frau bekomme. Am besten war der Kontrolleur auf der Zürichseefähre. Wir waren schon aus dem Wagen ausgestiegen, als er den Preis für die Überfahrt kassieren wollte. Mit meinem Bahnausweis war die Überfahrt gratis, allerdings nur als Beifahrer. Er wollte mir aber nicht glauben, dass ich Beifahrer war, denn schliesslich war ja „nur“ noch eine Frau im Wagen. „Männer fahren immer“, belehrte er mich. Erst als die Frau mit dem Autoschlüssel wedelte, gab er klein bei und schaute mich an, als hätte er ein besonders ekliges Insekt auf der Windschutzscheibe entdeckt. Ja, es gibt sie. Diese Typen, die auf Ihrem Navigationsgerät eine männliche Stimme wählen, weil sie es nicht ertragen können, dass eine Frau ihnen sagt, wo es lang geht.

Bei uns Motorradfahrenden sind Frauen noch eine Minderheit. Aber es kommen immer mehr dazu, die den Lenker selbst in die Hand nehmen. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist Anja Tschopp aus dem Vorstand des Schweizer Motorradfahrerverbandes. Der NZZ-Artikel über sie ist lesenswert. Der frauenauschliessende Name des Verbandes zeigt allerdings, dass die männlichen Motorradfahrenden noch nicht auf den Trend vorbereitet sind. Wir Männer dürfen uns aber freuen. Junge Motorradfahrerinnen werden nicht nur die Strassen statistisch sicher machen, sondern auch der Vergreisung der männlich dominierten Motorradgemeinde entgegenwirken. Auch hier gibt es einen interessanten NZZ-Beitrag.

Nur eins können wir Männer bei Motorradtouren besser als Frauen. Wenn es darum geht, mal eben am Strassenrand im Stehen zu pinkeln, dann sind wir anatomisch klar im Vorteil. Allerdings bin ich darauf nicht sonderlich stolz. Noch weniger stolz bin ich, dass wir Männer es nicht geschafft haben, eine der grossen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten zu beseitigen: Die Ungleichbehandlung von Mann und Frau. Die Schweiz macht hier sogar Rückschritte, wie in der Aargauerzeitung vom 18.12.2018 nachzulesen ist. Im Arbeitsleben sind Frauen klar benachteiligt. Laut einer Gleichstellungsstudie des Weltwirtschaftsforums WEF wird es noch 108 Jahre dauern, bis die Gleichberechtigung weltweit vollzogen ist. Ich glaube aber nicht, dass wir Männer uns diese Zeit nehmen sollten und das meine ich nicht als selbsternannter Ritter der Gerechtigkeit. Hier treibt mich die Motivation des männlichen Eigennutzes um. Bei all den grossen gesellschaftlichen Herausforderungen können wir es uns schlicht weg nicht leisten auf Frauenpower zu verzichten. Nur gemeinsam werden wir die grossen sozialen, ökologischen und politischen Probleme angehen können. Letztendlich wird eine Gesellschaft, die Frauen benachteiligt, auch weniger prosperieren und das heisst, dass wir Männer letztendlich auch weniger Geld im Portemonnaie haben.

Wenn ich schon kein Ritter der Gerechtigkeit bin, so will ich es doch mit einer anderen Form der Ritterlichkeit halten, die ich bei einem falschverstanden Emanzipationsverständnis gefährdet sehe. Für einen Enfield-Fahrer der alten Schule gehört es sich, den Frauen, wahlweise die Motorrad- oder die Einkaufstaschen zu tragen. In einem Lokal ist es selbstverständlich, dass wir die Frau einladen und wenn wir der holden Weiblichkeit gegenübersitzen, gehört ihr unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Als Lohn für diese Gesten ist uns ein Lächeln genug. Schade nur, dass man bei einem Motorrad nicht die Autotüre aufhalten kann. Auch das möchte ich anlässlich des Weltfrauentages gesagt haben.

Links

Bundesamt für Statistik 2017: Verkehrsunfälle von Männern und Frauen

NZZ-Artikel über Anja Tschopp: Wenn Mädchen von Motorrädern träumen

NZZ-Artikel über die Vergreisung der Motorradszene: Motorrad-Oldies auf grosser Fahrt

Artikel der Aargauerzeitung zur Gleichstellung: Noch 108 Jahre

Watson.ch: Frauen fahren besser Auto als Männer

SPIEGEL-Artikel über die Motorrad-Weltreisende Lea Rieck

Nachtrag

In einer Einschätzung des Verkehrspsychologen Uwe Ewert heisst es, dass Männer schneller und häufiger unter Alkoholeinfluss auf den Strassen unterwegs sind. Frauen dagegen sind vorsichtiger und scheuen mehr das Risiko.

Bezieht man diese Aussage auf die Royal-Enfied-Fahrenden, so denke ich, dass die weniger häufig unter Alkoholeinfluss am Lenker sitzen als andere Verkehrsteilnehmende. Auch bietet so eine Enfield nur eingeschränkte Möglichkeiten, was das Schnellfahren anbelangt. Bei den Enfield-Buddys dürfte also der Unterschied zwischen den Geschlechtern, nicht ganz so gross sein.

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