Der Lenz, das Industriegebiet und die Forellen

Lenzburg, Februar 2019

Die Lenzburg an einem sonnigen Febuartag: wolken am blauen Himmel und kahle Bäume.
Die Lenzburg: Bald kommt der Frühling

Was hat die Burg mit dem Lenz zu tun und was die Schlange mit dem Bach? Und warum gibt es so wenig Forellen in dem alten Lenzburger Industriegebiet?

Den Namen Lenzburg assoziiere ich mit Frühling. Die so benannte Burg und die gleichnamige Stadt haben aber nichts mit dieser Jahreszeit zu tun. Die Bezeichnung geht wahrscheinlich auf den Aabach zurück, einem kleinen Gewässer, das durch die Stadt Lenzburg fließt und den Hallwilersee mit der Aare verbindet. Dieser Aabach wurde von den alten Kelten Lenta genannt. Die glaubten, dass die Bäche und Flüsse mit Dämonen bevölkert sind und den Aabach verglichen sie wohl mit einer Schlange. Aus Scheu wagten die Kelten nicht, das Untier direkt zu benennen. Statt dessen wählten sie die unverfängliche Umschreibung Lenta, was die Biegsame oder die Gewundene heißt. (1) Mit der Zeit verwandelte sich Lenta in das Wort Lenz und so wurde das Gewässer bis ins 16. Jahrhundert Lenzbach genannt. Danach sprach man dann vom Aabach.

Altes Industriegebäude am Aach: Der Himmel ist voller Regenwolken
Der Aabach hiess früher Lenzbach.

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden an dem Bach Industrien (2), deren goldene Zeiten aber längst vorbei sind. Die Gebäude von einst prägen heute das Bild des Gewässers. Bekannt war zum Beispiel der Lenzburger Kinderwagen- und Spielzeughersteller Wisa Gloria. Über 135 Jahre wurden hier Produkte produziert, die Kinder- und Elternherzen höher schlagen liess. Wisa Gloria musste dann in den 1990er Jahren die Werkstore endgültig schliessen. Heute produziert unter dem Namen eine St. Galler Firma Repliken von den Dingen, die einst hier in Lenzburg hergestellt wurden. (3)

Ein alter Lastwagen vor einem verlassenen Industriegebäude.
Charme des Verfalls: Industriegebiet am Aabach

Ich habe ein Angelpatent für den Lenzburger Abschnitt des Aabachs erworben, denn ich mag die morbid-melancholische Stimmung, die von den alten Fertigungsgebäuden ausgeht. Ich möchte hier Forellen fangen. Ob mir das gelingt ist allerdings zweifelhaft. Forellen laichen im Kies und hier ist vor allem grobes Geröll zu sehen. Ausserdem scheinen Hindernisse die Wanderung der Fische zu behindern. Das kann man in einem Inventar nachlesen, das der Kanton Aargau im Oktober 2017 in Auftrag gegeben hatte. (4)

Eine alte Schleuse am Aabach.
Aabach: Hindernisse für Fische

So schön dieses alte Industriegebiet auch ist: der von den Menschen veränderte Aabach sorgt für eine ökologische Verarmung. Stellenweise wurden am Aabach Renaturierungsmassnahmen durchgeführt, so an der Hallwiler Badi (5) oder in Wildegg (6). Ob sich das auf den Fischbestand im Bereich der Stadt auswirkt wird mir der Lenzenmonat März zeigen. Dann endet die Schonzeit der Forellen (7) und der Frühling zieht ein. Wie anfangs erwähnt wird diese Jahreszeit Lenz genannt, und dass weil im Frühjahr die Tage länger werden. Lenz leitet sich vom westgermanischen langa-tin(a) ab, was langer Tag bedeutet. (8)

Der aabach verläuft hier gerade in einem betonierten Flussbett.
Ein Flussbett aus Beton bietet keine Laichmöglichkeiten für Forellen

Ich hoffen dann nicht, dass nach dem Frühling ein heisser Sommer den Aabach zu arg „lenzen“ wird. Dieser Begriff kommt aus der Seemannssprache . Er wird verwendet wenn man Wasser entfernt. In der Regel meint man damit aber das Auspumpen von Schiffen und nicht das Austrocknen eines Baches. (9) 

Alte, verfallene Fassade eines Industriegebäudes.
Stimmungsvolle Umgebung: Verfallenes Industriegebäude am Aabach

Quellen

Zahnräder einer alten Schleuse.
Alte Schleuse am Aabach

Links

Fachwerkturmhaus und altes renoviertes Manufakturgebäude in Lenzburg.
Häuser am Aabach
Rostiger Stahlträger an der Schleuse.
Der Zahn der Zeit

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