Ein Brief an Frau Berg

Ich bin ein alter weisser Mann (1) und ich muss gestehen, dass ich meine erste Sibylle Berg-Kolumne aus rein sexistischen Motiven gelesen habe. Einzig wegen ihres damaligen SPIEGEL-Online-Profilbildes.

Auf dem kleinen runden Foto hatte die Schriftstellerin einen Kopf, der extrem langgezogen wirkte. Ein Eindruck, der wohl durch die Frisur bedingt war. Im Zusammenspiel mit ihren vollen Lippen und den grossen Mandelaugen sah sie irgendwie ausserirdisch aus. Wie ein Alien und noch dazu wie ein ziemlich scharfer Alien. Da sprang sofort mein Kopfkino an. Ich dachte mir, von dieser Ausserirdischen würdest du dich auch gerne mal entführen lassen.

Getragen von diesem Gedanken tag-träumte ich von fliegenden Untertassen und von Frauen in hautengen Raumanzügen. So wie auf den Covern der Perry-Rhodan-Hefte. Beflügelt von dieser Fantasie wollte ich dann wissen, ob das, was dieses Wesen schrieb, von dieser Welt war.

Der Text der Sibylle Berg war von dieser Welt und ich lernte die Gedanken einer klugen Frau kennen.

Seit dieser Zeit lese ich ihre Kolumnen. Und weil auch alte weisse Männer lernfähig sind, ist der Grund meines Lesens nicht mehr sexistischer Natur.

Ich bin der Überzeugung, dass es wichtig ist, wenn wir den Gedanken der Sibylle Berg Beachtung schenken. Das zum einen aus Gründen der Unterhaltung. Denn Frau Bergs Art zu polarisieren, ist sehr amüsant. Ausser des Spassfaktors gibt es aber auch ernste Gründe ihre Texte zu lesen. Mit ihrer Ironie und ihrer sprachlichen Treffsicherheit legt Sibylle Berg gesellschaftliche und menschliche Problemzonen frei. Zuweilen macht sie das recht gnadenlos. Und gelegentlich verhilft sie uns zu neuen Blickwinkeln.

Für mich persönlich sind manche ihrer Kolumnen ethische Instrumente, die mir helfen meinen moralischen Kompass auszurichten.

Natürlich bin ich nicht immer einer Meinung mit Frau Berg. Und als alter, weisser Mann ist meine Lernfähigkeit eher im theoretischen Bereich vorhanden. Praktisch bin ich weiterhin der ignorante Scheisskerl, der ich schon immer war. Da darf man von Kolumnen nicht zu viel erwarten. Hier nur ein paar Beispiele:

Ich liebe es fossile Brennstoffe in Fahrspass zu verwandeln. Lärm und Abgase sind mir dabei weitgehend egal. Und auch den ganzen Scheiss mit dem Klimawandel versuche ich aus meinem Bewusstsein zu verdrängen.

Tierschutz finde ich eine prima Sache. Und trotzdem reisse ich Fische mit einem Hacken brutal aus ihrem Lebensraum. Ich mache das, um sie zu erschlagen, um sie auszuweiden, vor allem aber, um sie zu essen. Dabei trage ich eine grüne Weste und sehe aus wie ein Bünzli, der die Handlung eines Splatter-Videos nachahmt.

Und dass die Menschen in der dritten Welt genügend Impfstoffe bekommen sollten, ist ohne Frage richtig. Aber nur dann, wenn ausreichend Impfdosen für mich zur Verfügung stehen. White old man first! Und ich zuallererst.

Ja, einen moralischen Kompass mit Frau Bergs Kolumnen auszurichten, ist die eine Sache. Dann aber in die richtige Richtung zu gehen, ist etwas ganz anderes. Letzteres gelingt mir nicht und im Grunde habe ich keine Legitimation, um Frau Berg zu widersprechen. Weder auf der Basis meiner ethischen und schon gar nicht auf der Grundlage meiner sprachlichen Kompetenz. Von meiner intellektuellen Ausgangslage ganz zu schweigen.

Alte, weisse Männer mit durchschnittlichem Intellekt und fragwürdigem Lebenswandel sollten sich eher zurückhalten. Aber ich kann es nicht und ich will es nicht. 

Das Thema, um das es mir hier geht, sind die COVID-19-Gesetzte, über die wir Schweizer und Schweizerinnen am 28. November 2021 abstimmen werden. Und ein zentraler Punkt ist die Zertifikatsregelung.

Unsere Gesellschaft steht vor einem ethischen Dilemma. Einem Dilemma, in dem man sich letztendlich für einen von zwei Grundwerten entscheiden muss. Und beide Werte stehe sich in der aktuellen Situation derart unversöhnlich gegenüber, dass mir bei dem Gedanken ganz schlecht wird.

Die Werte, um die es hier geht, sind auf der einen Seite die Freiheit und die persönliche Autonomie und auf der anderen Seite der Schutz des Lebens und der Schutz der Gesundheit.

Frau Berg hat hier klar Position bezogen. Mit der Ablehnung der COVID-19-Gesetzte und der Zertifikatsregelung gewichtet sie den Wert der Freiheit höher als den Schutz des Lebens. Damit hat sie einen öffentlichen Diskurs initiiert, der wichtig ist und an dem ich mich hier beteiligen möchte.

Als Form wähle ich den offenen Brief. Und in diesem Brief bitte ich Frau Berg ihre Position zu überdenken.


Offener Brief an die Schriftstellerin und Dramatikerin Sybille Berg

Bezug: Ihr Beitrag in der Aargauer Zeitung vom 09.10.2021

Sehr geehrte Frau Berg

Bei vollem Respekt für die Sorge, dass unsere freiheitliche-demokratische Schweiz zu einem dystopischen Überwachungsstaat mutiert. Ihre Ablehnung der Zertifikatsregel finde ich problematisch, auch wenn ich Ihre Beweggründe nachvollziehen kann.

Ihre Befürchtung, dass wir mit einer Zertifikatsregel die Infrastruktur für eine totale Überwachung legen, ist diskussionswürdig. Es ist wichtig, dass Sie auf diese Gefahr hinweisen. Und es ist erforderlich, dass Sie hier eine öffentliche Auseinandersetzung anstossen. Es ist aber vermessen, wegen dieser Gefahr auf die Zertifikatsregel zu verzichten.

Denn die Gefahren für unsere Freiheit drohen ja sowieso. Im Zuge der Digitalisierung entwickelt die Menschheit mächtige Überwachungsinstrumente. Instrumente mit denen Staaten und Konzerne in unsere intimsten Bereiche vordringen können. Und inwieweit wir das zulassen wollen, wird ein ständiger Diskurs sein.

Pandemien und Epidemien sind in diesem Diskurs Ausnahmesituationen. Ausnahmesituationen in denen wir besonders gefordert sind. Denn wenn ansteckende Krankheiten Leib, Leben und Existenz bedrohen, muss entschieden gehandelt werden. Die Einschränkung der persönlichen Freiheit ist da unumgänglich. Das war schon so, als im 14. und 15. Jahrhundert die Pest wütete. Und bei der Spanischen Grippe war es nicht anders. Dort, wo solche Lenkungsmassnahmen fehlten, starben Millionen von Menschen.

Und auch heute geht es im grossen Massstab um Leben und Tod. Es geht um Existenzen, die von einem kleinen Virus brachial vernichtet werden. Dem müssen wir etwas entgegensetzen. Und die Zertifikate sind hier eine potente Waffe im Kampf gegen das Furchtbare.

Letztendlich werden wir das Virus nur unter Kontrolle bringen, wenn wir eine hohe Impfquote erreichen und beibehalten. Person, die nicht ausreichend immunisiert sind, müssen daran gehindert werden andere anzustecken.

Natürlich haben Sie Recht. Es ist problematisch, wenn Teile der Gesellschaft nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen dürfen. Aber es nun einmal so, dass man nicht alles haben kann. Wer nicht geimpft ist – aus welchen Gründen auch immer – muss mit den Konsequenzen leben. Die Impfung ist – wenn wir die Pandemie überwinden wollen – alternativlos. Und das Zertifikat ist ein probates Druckmittel, mit dem man die Anzahl der Geimpften erhöhen kann.

Auch Ihre Sorge, dass es mit der vermeintlichen Sicherheit der Zertifikatsregeln zu Fehlentscheidungen kommt, ist berechtigt. Ich befürchte ebenso, dass die Verantwortlichen im Gesundheits- und Bildungswesen sparen werden. Wir alle müssen uns hier dafür einsetzten, dass da rechtzeitig gegengesteuert wird. Auch mit den Zertifikaten brauchen wir eine Infrastruktur, die uns ermöglicht mit dem Virus zu leben.

Dass die Zertifikate Menschen zu völliger Unvernunft verführen, habe ich gerade in Holland auf sehr eindrückliche Weise erlebt. In dem Hotel, in dem ich war, konnte man mit Zertifikat maskenlos über das Frühstücksbüffet husten und mit ungewaschen Fingern in den Brötchen wühlen. So etwas ist fahrlässig. Aber all das ist kein Grund die Zertifikatsreglung abzulehnen. Es ist vielmehr ein Grund auf eine vernünftige Umsetzung zu bestehen. Existenzielle Hygieneregeln dürfen mit dem Zertifikat nicht ausser Kraft gesetzt werden.

Bei all dem ist es gut, wenn Sie Ihre Stimme erheben. Das, was Sie sagen, hat Gewicht und bei Ihrem politischen Engagement lastet eine entsprechende Verantwortung auf Ihren Schultern.

Helfen Sie mit, dass die Zertifikatsregelung in einem sinnvollen Rahmen umgesetzt wird. Helfen Sie, in dem Sie die Gefahren und die Fehlentwicklungen aufzeigen. Helfen Sie, in dem Sie mit Ihrem messerscharfen Verstand die gesellschaftlichen Entwicklungen analysieren. Aber bitte seien Sie zurückhaltend, wenn es um die grundsätzliche Ablehnung der COVID-19-Gesetze geht.

Eine solche Ablehnung würde Leid und Tod bedeuten. Und um das abzuwenden, reicht Ihr Respekt vor den Opfern der Pandemie nicht aus. Bei weitem nicht.

So problematisch der Verzicht auf Grundrechte auch ist, ich befürchte, wir kommen nicht drum herum. Und wenn wir uns über Jahrzehnte immer wieder impfen lassen und das vorweisen müssen, ja dann ist das halt so.

Hochachtungsvoll

Thomas Koch


Wohl an, der offene Brief ist geschrieben und ich habe Dampf abgelassen. Das ist gut für meine Psychohygiene. Demnächst werde ich abstimmen und damit eines der vielen kleinen Elementarteilchen sein, die diese wunderbare Schweiz ausmachen. Alles geht seinen freiheitlich-demokratischen Gang.

Und so kann ich mich zurücklehnen und reflektieren, warum mich das politische Engagement der Sibylle Berg derart betroffen macht. Immerhin ist das der erste offene Brief, den ich in meinem Leben schreibe.

Ausschlaggebend ist sicherlich, dass ich ein leidenschaftlicher Sibylle Berg-Fan bin. Und das hat nichts mit der spätpubertären Schwärmerei eines unreifen, alten Mannes zu tun. Naja, vielleicht doch ein kleines Bisschen. Auf jeden Fall hat es nichts damit zu tun, dass Frau Berg lesenswerte Kolumnen schreibt. Nicht einmal etwas mit ihrem literarischen Werk. Das beginne ich erst gerade zu entdecken.

Nein, ich bin Sibylle Berg-Fan, weil mich die Autorin damals in eine Krise mit massiven Selbstzweifeln gestürzt hat. Vor meiner ersten Sibylle Berg-Kolumne hatte ich geglaubt, dass ich ein aufgeklärter Mensch bin. Jemand für den die Gleichstellung von Mann und Frau eine Selbstverständlichkeit ist. Frau Berg hat mich eines Besseren belehrt.

Was mit einer schlüpfrig-schmierigen Alien-Fantasie begann, endete in der Erkenntnis, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt immer nur Kolumnen von Autoren gelesen hatte. Instinktiv bin ich davon ausgegangen, dass man mit einem Schwanz und ein paar Eiern relevanteres und unterhaltsameres von sich geben kann. Natürlich war diese Annahme unbewusst. Aber im Ergebnis machte das die Sache nicht besser.

Der Vorfall mit der Sibylle Berg-Kolumne hat mir gezeigt, wie sehr ich von einem patriarchalen Denken geprägt bin und wie sehr mir – dem alten, weissen Mann – der männliche Chauvinismus in den Knochen steckt.

Und es ist immer noch so, dass ich eher den Text eines Autors, als den einer Autorin lese. Aber seit damals bin ich mir dessen bewusst. Und ich greife gezielt zu dem was Frauen schreiben. Das macht mein Leben zwar vielfältiger, aber bei weitem nicht einfacher.

Überhaupt wird alles komplizierter, vor allem wenn man die Sibylle Berg-Kolumnen als ethisches Instrumentarium nutzt. Da beneide ich die anderen alten, weissen Durchschnittsmänner. Diejenigen, die klare Feindbilder haben. Die ihren Frust auf die projizieren, die schwächer oder anders sind. Ich beneide die, die sich die komplexen Zusammenhänge mit lustigen Verschwörungstheorien erklären.

Das Konzept „einfältig Leben und doof sterben“ ist halt schon cool. Aber es macht unsere Welt nicht zu einem besseren Ort. Und ein Leben mit Sibylle Bergs Kolumnen ist nun mal wesentlich spannender und unterhaltsamer, als ein Leben ohne ihre Texte.


(1) Anmerkung zum Begriff des alten, weissen Mannes

Das Schlagwort war ursprünglich ein Kampfbegriff gegen die Hegemonie des weissen Mannes in wirtschaftlichen und politischen Führungspositionen. Mittlerweile hat sich der Gebrauch auch auf alte, weisse Männer ohne Führungspositionen ausgeweitet. Ein Grund für den Versuch einer Kategorisierung.  

Kategorie 1: Der alte, weisse Mann als Machtmensch. 

Das ist der Klassiker: Alt, weiss und sehr männlich. In Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Kultur sind diese Männer mit Macht ausgestattet. Und sie bilden Seilschaften, damit diese Macht schön bei den alten, weissen Männern bleibt.

Kategorie 2: Der alte, weisse Mann als Trottel.

Das sind alte, weisse Männer ohne Macht und oft auch ohne Vermögen. Arme Schweine aus dem Mittelstand oder der Unterschicht. Es sind Männer, die sich aktiv dafür einsetzen, dass die Hegemonie des alten, weissen Mannes erhalten bleibt. Dabei hegen sie die aberwitzige Vorstellung, dass die alten, weissen Männer, für dessen Macht sie sich einsetzen, sich auch für ihre Belange interessieren würden. Aber für die mächtigen alten, weissen Männer sind sie nichts weiter als nützliche Trottel. 

Kategorie 3: Der alte, weisse Mann als Ignorant.

Willkommen in meiner Liga. Hier geht es um die alten, weissen Männer, die nie wirklich etwas daran gemacht haben, dass die Hegemonie des alten, weissen Mannes aufgebrochen wurde. Sie finden Gleichberechtigung und Diversität gut, haben aber immer etwas wichtigeres zu tun, als sich dafür einzusetzen. Manche von uns sind sogar zu faul, um ihre Wortwahl ein klein weniger gendergerechter zu gestalten. Und deswegen schwadronieren sie gerne von der Schönheit der Sprache, die ihrer Meinung nach von Gendersternchen bedroht wird. 

Kategorie 4: Der alte, weisse Mann als Opfer.  

Sie sind alt, weiss und männlich und haben eigentlich alles richtig gemacht. Diese Männer haben sich aktiv für Gleichberechtigung, Diversität und eine bessere Welt eingesetzt. Aber da sie mittlerweile alt sind und schon immer weiss und männlich waren, stehen sie unter Generalverdacht. 

Tja, Vorurteile und Ungerechtigkeit machen auch vor alten, weissen Männern nicht Halt und ich weiss jetzt nicht ob dieser Gedanke etwas Tröstliches oder Erschreckendes hat.

Comments

  1. Tja, da muss wohl oder übel ein Kompromiss ausgehandelt werden zwischen Freiheit und Schutz. In Deutschland tun wir uns dabei gerade sehr schwer. Aber so ist eben Demokratie.

    Kategorie 4 finde ich absolut inakzeptabel. Niemand darf benachteiligt werden, bloss weil er ein alter weißer Mann ist. Genau wie allen anderen Menschen.

    • Ja, Demokratie ist ein ständiges Aushandeln und das ist gut so.

      Die Kategorien sind mit einem Augenzwinkern gemeint, denn ich habe folgende Erfahrungen gemacht: Wenn alte weisse Männer untereinander diskutieren, wer den nun von ihnen Opfer ist und dabei mit festgefahrenen Meinungen das Vorurteil dieser Phrase beklagen, dann steckt da zuweilen eine ganze Portion Realsatire drinnen.

      By the way:
      http://www.sinnlosreisen.com ist ein schöner Blog. Gratuliere! Ich bin mich gerade am durchschmöckern und demnächst gibt es auch Kommentare.

      Herzliche Grüsse aus der Schweiz 🇨🇭

      • Danke für das Kompliment.
        Und ja, manchmal sind die Diskussionen schon grotesk, übrigens in allen Lagern. Neulich habe ich eine Diskussion verfolgt, in der ein alter Konzertfilm der Talking Heads „kategorisiert“ wurde. Wenn Männer den Film anschauen, sei die Band als frauenfeindlich abzulehnen, und wenn Frauen den gleichen Film anschauen, ist die Band ok, weil sie gute Musik gemacht hat. Irre.
        Viele Grüße
        Marco

  2. Da hast Du mir aus dem Herzen gesprochen, lieber Thomas. Wenn wir im heutigen (und auch gestrigen) Mitteleuropa nicht der Wissenschaft trauen können, dann ist alles zu spät. Gott sei Dank sind wir in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Und ich persönlich habe das Vertrauen. In Deutschland sieht das die Mehrheit ebenfalls so. Leider gibt es eine Minderheit, die zu viel Gehör bekommt und sich und andere gefährdet. Ist in meinen Augen vosätzliche Körperverletzung bzw. Totschlag.
    Zu Deiner Kategorisierung der «alten weißen Männer»: Da ist es in Deutschland interessant, dass sich mit der letzten Wahl und der immensen Schlappe besagter Herren von der CDU offenbar eine geänderte Richtung ankündigt. Sowohl partei- als auch regierungsbezogen. Man darf gespannt sein! Auf jeden Fall war die Chance für eine gesellschaftliche Veränderung noch nie so groß. Hoffentlich wird sie genutzt.
    (PS. Es gab auch alte, weiße UND weise Männer: Helmut Schmidt z.B.)
    LG Ulla

    • Liebe Ulla

      Schön von dir zu lesen. Ich hoffe du kommst mit deinem Buch voran. Ich bin gespannt.

      Zu denen, die dem Impfen kritisch gegenüber stehen, kommen in der Schweiz noch die Geimpften, die gegen das COVID-Zertifikat sind. In diesem Kreis gibt es auch interlektuelle Schwergewichte, wie zum Beispiel Frau Berg. Ihre Befürchtungen beziehen sich auf die Gefahr eines Überwachungstaates und den Umstand, dass mit dem Zertifikat andere wichtige Schutzmassnahmen nicht umgesetzt werden. Das muss man ernst nehmen.

      Deren Behauptung, dass so ein COVID-Zertifikat die Impfquote nicht erhöhen würde, halte ich aber eher für zwielichtig.

      Wenn ein Zertifikat die Grundlage für die Teilnahme am öffentlichen Leben wird, Kann das ein wirklich grosser Anreiz für die Impfung sein.

      Von denen die sich nicht impfen lassen geht eine enorme Gefahr aus. Ich habe das Gefühl, dass Frau Berg und das Komitee das viel zu sehr unterschätzen.

      Du hast recht, der Gender Gap wird sich schliessen. Die Frage ist nur, wie lange es dauert. In Sachen Bildung sind Frauen schon auf dem Vormarsch. Bei den Karrierechancen ist noch viel Handlungsbedarf. Aber auch da wird die Zukunft weiblich werden. Ich bin gespannt, wie sich die Entwicklung vollziehen wird. Mann und Frau dürfen hoffnungsvoll sein.

      In meiner Jugend habe ich Hellmut Schmidt als eher unangenehmen Politiker wahrgenommen, trotz allem Charisma. Der Mann war in Fragen der Arbeitswelt mehr liberal als sozial. Kernenergie fand er super und Föderalismus nannte er Kleinstaaterei. Und mit kultureller Diversität hatte er es auch nicht so.

      Herzliche Grüsse
      Thomas

  3. Hallo Thomas,

    schön wieder was von Dir zu lesen. Also ich weiß nicht besonders viel, aber ich bin ja auch saublöd oder einfach nur dumm. Also ich verstehe die wichtigste intellektuelle Frau der Schweiz überhaupt nicht. Ist ja auch kein Wunder. Oder mir fehlen einfach wichtige Informationen was es in der Schweiz mit diesem Zertifikat auf sich hat. Die wichtigste intellektuelle Frau der Schweiz befürchtet daß das Zertifikat die Gesellschaft spaltet, jetzt möchte ich fragen ist sie das nicht schon lange? Gespalten meine ich.
    Und die Infrastruktur zur Überwachung ist doch schon lange vorhanden. Oder? Wie soll das überhaupt funktionieren anhand des Zertifikats überwacht zu werden? Ich verstehe es nicht, aber wie gesagt dumm richtig dumm der Herr Rüpel.
    Thomas bitte hilf mir, ich möchte es verstehen, denn so fühle ich mich etwas benachteiligt und wenn ich etwas mehr weiß, wer weiß vielleicht bin ich dann übern Berg.

    LIEBEn Gruß
    rudi rüpel

    • Lieber Rudi Rüpel

      Ich freue mich über ein Lebenszeichen von dir.

      Nein, du bist weder saublöd noch dumm. Und ja, die Spaltung der Gesellschaft ist auch ohne Zertifikat vorhanden. Die Überwachung mittels digitaler Instrumente ist schon lange ein Problem. Da hast du recht.

      Das helvetische Zertifikat ist so wie überall in Europa. Wer geimpft, genesen oder getestet ist, darf bestimmte Örtlichkeiten nutzen, zum Beispiel Restaurants.

      Die rechtliche Grundlage in der Schweiz ist das COVID-19-Gesetz. Und dagegen wurde das Referendum ergriffen. Dieses Video erklärt den Sachverhalt:

      https://www.srf.ch/news/abstimmungen-28-november-2021/covid-gesetz/auf-einen-blick-das-covid-gesetz-kurz-erklaert

      Frau Berg steht einem linken Komitee der Geimpften gegen das COVID-19-Gesetz nah. Sie halten das Zertifikat für den falschen Weg aus der Krise. Die Befürchtung ist, dass mit dem Schweizer Zertifikat die Impfungen «verpolitisiert», anstatt medizinisch begründet werden.

      Aber mit medizinischen Begründungen holt man keinen Impfgegner hinter dem Ofen hervor. Auch nicht in der aufgeklärten Schweiz 🇨🇭.

      Herzliche Grüsse
      Thomas

  4. Hei Thomas,

    danke für Deine schnelle Antwort. Ich habe mir den Film angehört. Warum ist die digitale Verfolgung mir Zertifikat einfach?
    Wie soll das gehen? Bekommt man mit dem Zertifikat, sollte man ungeimpft sein, eine Fußfessel verpasst oder einen GPS Chip implantiert?

    • Lieber Rudi Rüpel

      Ja, Fussfesseln und implantierte GPS-Chips sind wahrscheinlich treibende Horrorvorstellung in der Debatte. 😀

      Die NZZ schreibt dazu:

      «Angesichts einer solchen Politik wähnen sich manche Kritiker der Corona-Massnahmen in einem dystopischen Staat. Impfgegner tragen T-Shirts mit der Aufschrift «Covid1984». Eine Anspielung auf den Roman von George Orwell, auf einen totalitären Überwachungsstaat. Ein bekannter Schweizer Corona-Aktivist schrieb im April 2020 auf Twitter: «covid1984 ist definitiv in der Schweiz Realität.» Je nachdem, wo man in der Covid-19-Debatte steht, attestiert man den Dystopie-Spezialisten ein feines, allzu feines oder komplett überreiztes, wahnhaftes Sensorium.»

      https://www.nzz.ch/feuilleton/covid-19-politik-sibylle-berg-warnt-vor-dem-ueberwachungsstaat-ld.1649908

      Herzliche Grüsse
      Thomas

  5. Hei Thomas,

    ich habe den NZZ Artikel gelesen, als erstes fällt mir auf Dystopie ist evtl. das nächste Modewort, welches die Intellektuellen aus einem der hinteren Regale aus der Wortschatzkammer gekramt haben, ganze sieben mal wird es in diesem kurzen Artikel verwendet. Können wir den Begriff Narrativ einmotten?
    Eine Frage Thomas, denkst du die wichtigste intellektuelle Frau der Schweiz und die Dystopie-Spezialisten tun im privaten Bereich alles erdenkliche um sich vor einer Überwachung, von wem auch immer, zu schützen, oder nutzt evtl. doch der ein und die andere ein modernes mobiles Telefon? whatsapp, facebook, neugierige Suchmaschinen, Tesla, Amazon, ……………?

    Konkret: wer kann meine Wege verfolgen wenn ich mein Zertifikat in Papierform mit mir herum trage? Reicht nicht auch das Impfbuch?
    Ach noch was, Dystopie, einfach nur mal nur so, damit habe ich dieses schöne seltene Wort ganze drei mal in meinem kurzen Geschreibsel untergebracht, ich weiß man muß nicht jede Mode mit machen, doch die hier gefällt mir irgendwie.

    Thomas ich grüße Dich mit den Worten des bekannten Münchner Philosophen Karl Valentin: Früher war selbst die Zukunft besser!

    rudi rüpel

    • Lieber Rudi Rüpel

      Hier ein Zitat von Frau Berg: «die grösste Gefahr sehe ich in der Gewöhnung, der wachsenden Akzeptanz der Bevölkerungen und an eine allmähliche Ausweitung der Überwachung.»

      Da hat Frau Berg nicht ganz unrecht. Das ist gefährlich.

      Tja, früher war sogar die Zukunft besser.

      Herzliche Grüsse
      Thomas

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