Grafik: Filmkritik Zwingli: böse Katholiken, guter Zwingli, doofe Kitag-Kinos, reformierter Propagandafilm, flaches Drehbuch, Zwingli bleibt mir fremd, Schulfernsehen in Kinoqualität, gute Kamera, steriles Mittelalter, tolle darstellende, spannende Inszenierung

by Thomas Koch, Febuar 2019

Ich möchte das Schweizer Filmschaffen unterstützen. Deswegen schaue ich mir helvetische Produktionen, wenn möglich im Kino an. Zwingli hat mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Aber immerhin habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Propagandafilm der Reformierten Kirche sehen dürfen. Ein durch und durch guter Zwingli kämpft gegen durch und durch böse Katholiken. In ihrer Eindimensionalität wirken die Figuren steril, genauso steril wie das ansonsten schön gestaltete mittelalterliche Zürich. Keimfrei werden auch die historischen Fakten abgehandelt. Alles schön chronologisch – mal mehr und mal weniger korrekt. Die Beweggründe der Agierenden und die historischen Zusammenhänge bleiben weitgehend im Dunkeln. Neben dieser Sterilität ist das solide Filmhandwerk ein Merkmal des Streifens. Die Darstellenden sind gut ausgewählt und ihr Spiel wirkt überzeugend. Drehbuch und Regie lassen während des ganzen Films keine Langeweile aufkommen. Kamera, Licht, Farbkorrektur und 3D sind sauber gemacht. Auch die schweizerdeutsche Nachsynchronisation, der Ton und die Musik überzeugen. Der Bildersturm und das Ertränken des Täufers Mans hat man familienfreundlich in Szene gesetzt. Auf unappetitliche Bilder aus der Schlacht von Kappeln wird gleich ganz verzichtet. Die Brutalität des Krieges erscheint weichgezeichnet durch die dürftigen Berichte der heimkehrenden Krieger. Der Reformator Zwingli bleibt mir am Ende des Films genauso fremd, wie er es immer war. Trotzdem finde ich es schön, dass solche Filme gemacht werden.

Weniger schön finde ich Kitag Kinos. Das man in der Schweiz, den Film für eine Pause unterbricht stört mich, denn ich werde aus der Handlung gerissen. Hingegen werden Menschen die unter Blasenschwäche oder Nikotinsucht leiden, diese Pausen gut finden und ich meine das nicht despektierlich. Also sei es drum, ich kann ganz gut damit leben. Ich verstehe auch, dass das Kino in der Pause Süsswaren verkaufen will. Ärgerlich finde ich hingegen, dass nach dieser Pause erst einmal Werbung gezeigt wird. Immerhin zahle ich für einen Kinobesuch zu zweit mehr als fünfzig Schweizer Franken, inklusive der Anreise. Da möchte ich nicht über Gebühr belästigt werden. Übergriffig ist auch die Tatsache, dass mir Spoiler in der Pause zugemutet werden. Kitag warnt zwar davor, aber so fluchtartig kann keiner den Saal verlassen um nicht doch etwas davon mitzubekommen. Ich nehme an, die Spoiler sind Massnahmen zur Umsatzsteigerung und sollen konsumrenitente Cineasten an den Kiosk zwingen. Kitag war auch bei meinem vorletzten Besuch übergriffig. Dort wurde mir vor einer Comicverfilmung der Trailer zu einem unappetitlichen Horrorfilm gezeigt. Es war schwierig sich nicht diesen Bildern und Geräuschen auszusetzen. Immerhin kann man sich in einem Kino nicht die Ohren zuhalten und dazu laut singen. Das wirkt auf andere dann noch verstörender, als die Situation eh schon ist. Die Vorschau auf den Horrorstreifen war zu dem Film genauso passend, wie der Trailer eines Hardcorepornos vor einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Wenn möglich, werde ich also Kitag-Kinos in Zukunft meiden.

Kinos, die unterstützungswürdig sind, gibt es ja genug. Besonders mag ich zwei Kinos in Lenzburg. Der Löwen und das Urban sind herrlich alte und stilvolle Lichtspielhäuser. Die Technik ist zeitgemäss und bei 3D-Filmen muss man nicht erst eine doofe Brille kaufen. Man bekommt sie ausgeliehen. Die Lenzburger Kinos werden als Familienbetrieb geführt und sind eine wohltuende Alternative zu den seelenlosen Kinoketten.

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